Erste Hilfe am Hund: Blutung stillen mit Druckverband

Die Freude ist groß: Mein Hund Alex hat die Operation gut überstanden und Fäden ziehen steht auf dem Plan. So kann Alex am Montag endlich mit zum neuen Reitstall. Beim Tierarzt läuft es gut. Die Wunde suppt etwas, aber es sieht alles in Ordnung aus. Alex lässt das Gefummel an seinem Vorderbein tapfer über sich ergehen. Es dauert nicht lange und schon geht es nach Hause.


Inhaltsverzeichnis


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Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt: Da die Wunde etwas suppt, muss Alex den Halstrichter weitertragen, zumindest wenn ich nicht da bin. Aber ich bin guter Dinge. Also mache ich mir auch keinerlei Gedanken, meinen Hund für ein paar Stunden allein zu lassen. Denn leider kann er dieses Mal noch nicht mit in den Reitstall, damit kein Dreck in die Wunde kommt.

Das Reiten läuft richtig gut. Es macht Spaß und ich freue mich, dass ich dieses Endmaßpony als Reitbeteiligung gefunden habe. Ich kann endlich wieder loslassen und mich dem Gefühl und Einssein mit dem Pony hingeben. Ein bisschen Übung meinerseits erfordert es noch, aber ich bin nicht mehr so verkopft, wie es bei meinen letzten Reitbeteiligungen war. Ich näher mich endlich wieder dem Niveau und dem Sein von früher, als ich noch ein eigenes Pferd hatte. Beschwingt und glücklich fahre ich heim. Alex wartet schon und freut sich. Er macht Spielaufforderungen, auf die ich nur kurz eingehe, weil ich eine Pause brauche. Also Fernseher an.

OP-Wunde geht wieder auf

Mein Hund Alex hat es sich auf dem Boden gemütlich gemacht und schlummert. Ich sitze auf dem Sofa und freue mich, dass es eine britische Krimiserie gibt. Es vergehen nur Minuten, bis Alex aufsteht. Mein Blick fällt zufällig zur Seite auf den hellen Teppich. Was ist das denn? Ein Blutfleck! Leichte Panik macht sich in mir breit. Ich gehe zu Alex und sehe, dass seine OP-Wunde aufgeplatzt ist. Die Haut hat sich geteilt und ich blicke auf jede Menge rot und in der Mitte auf etwas Weißes (die Faszie, wie ich später erfahre). Was tun? Ich reinige die Wunde vorsichtig mit feuchtem Toilettenpapier. Die Blutung hört aber nicht auf.

Also rufe ich bei meiner Tierärztin auf dem Handy an. Auf ihrer Homepage steht nichts von einem Notdienst, aber versuchen kann ich es ja. Es geht aber leider niemand ran. Was nun? Der tierärztliche Notdienst in Thüringen! Schließlich wohne ich direkt an der Grenze. Die Dame am Telefon leitet mich aber erst einmal weiter, weil ich in Hessen wohne. Die andere Dame sagt mir nur, dass es in Hessen keinen tierärztlichen Notdienst wie in Thüringen gibt. Was mache ich nur? Der Notdienst für den Wartburgkreis in Thüringen ist an diesem Abend in Bad Salzungen, das ist rund 50 Minuten von mir entfernt. Ich versuche es erneut bei mir Tierärztin – ohne Erfolg. Die richtige Panik bricht zwar nicht aus, aber mein Kopf will trotzdem nicht vernünftig arbeiten und ich agiere etwas planlos.

Blutung am Vorderbein des Hundes stillen

Die Blutung muss gestoppt werden! Mir schießt in den Sinn, dass Hunde insgesamt nicht viel Blut im Körper haben und somit ein hoher Blutverlust schnell lebensgefährlich werden kann. Also Druckverband! Aber wo ist mein Erste-Hilfe-Set? Wütend, mit leicht stärker schlagendem Herz aus Angst reiße ich Sachen aus dem Schrank und durchwühle Kisten. Dann endlich habe ich den Sack in der Hand.

Ein Hund hat nur etwa 90 Milliliter Blut pro Kilogramm Körpergewicht. Alex wiegt knapp 22 Kilogramm und hat somit 1,98 Liter Blut im Körper. Das sind keine zwei Wasserflaschen. Verliert ein Hund ein Drittel seiner Blutmenge, besteht akute Lebensgefahr. (vgl. Niewöhner 2014, S. 23)

Wie ging der Druckverband noch? Schnell schlage ich eines meiner Erste-Hilfe-Bücher für Hunde auf.* Da ich immer noch etwas konfus bin, agiere ich auch so und es läuft weder sehr präzise noch schnell ab. Immer wieder denke ich, was ist, wenn Alex verblutet? Das hilft jetzt nicht, ermahnt mich eine andere Stimme.

Irgendwie konnte ich während der ganzen Sucherei und Verbände auspacken, den Entschluss treffen, dass ich nach Bad Salzungen muss. Also rufe ich wieder die Zentrale für den tierärztlichen Notdienst in Thüringen an und die verbindet mich mit dem diensthabenden Tierarzt. Dieser sagt mir, dass eine Notdienstpauschale von 60 Euro anfällt und der doppelte Tarifsatz (nach der neuen Tarifordnung können die Tierarztpraxen für Notdienstleistungen sogar den vierfachen Satz verlangen). „Nützt ja nichts“, entgegne ich. Schließlich ist die Wunde zu groß und blutet zu sehr, als das ich sie offenlassen kann. Wir verabreden uns für eine Stunde später.

Kurzanleitung: Druckverband beim Hund anlegen

  1. Kompresse auf die Wunde legen.
  2. Eine Mullbinde mehrmals um die Kompresse wickeln.
  3. Anschließend eine noch aufgerollte Mullbinde darauf legen (es geht auch ein ähnlicher Gegenstand wie ein zusammengerollter Lappen oder Ähnliches).
  4. Mit der anderen Mullbinde dann Zug auf die Mullbinde/den Gegenstand bringen, damit Druck auf die Wunde ausgeübt wird. (vgl. Niewöhner 2014, S. 23) Das ersetzt natürlich keinen Tierarztbesuch!!! Und die Anwendung erfolgt auf eigene Gefahr.

Den Druckverband habe ich an Alex Hundebein erfolgreich angelegt. Dann fällt mir ein, dass in dem Buch steht, dass man den nicht zu lange drauf lassen darf, weil es zu Schwellungen kommen kann. Verdammt! Was heißt zu lange? Schade ich Alex jetzt noch mehr? Ich werde unruhiger und renne planlos durch die Wohnung. Schließlich muss ich auch noch meine Schlafsachen gegen normale Klamotten tauschen. Irgendwie schaffe ich alles zusammenzusuchen. Auch wenn es wirklich chaotisch abläuft, da mein Kopf einfach nicht funktioniert, obwohl sich meine Panik in Grenzen hält. Denn ganz tief in mir sagt eine Stimme: „Alex überlebt das und es läuft alles gut!“

Ich habe den diensthabenden Notdienst-Tierarzt später gefragt, wie lange ein Druckverband drauf bleiben darf. Wenn eine Hauptschlagader betroffen ist, dürfen es nur wenige Minuten sein, da sonst starke Schwellungen entstehen können. In Alex Fall hätte ich den Druckverband aber ruhig die gesamte Autofahrt dran lassen können. Zur Not auch noch länger. Also der Individualfall kann einen Unterschied machen, aber lieber auf Nummer sichergehen und den Druckverband nicht lange auf der Wunde lassen.

Alles ist Energie oder wie war das?

Also ab ins Auto. Den Druckverband habe ich sicherheitshalber wieder abgemacht. Ich rufe meinen Bruder an: Denn wie ich hat er sich in der energetischen Arbeit ausbilden lassen. Deshalb bitte ich ihn, Alex Energie zu schicken, da ich das während der Autofahrt nur bedingt machen kann. Nach wie vor gibt es einen Teil in mir, der an der Wirkung von energetischer Arbeit zweifelt. Ein anderer Teil sagt mir: „Alles ist Energie, das ist reine Physik! Das wusste doch schon Albert Einstein.“ Auch der Biologie und Pionier der Epigenetik, Bruce Lipton, kommt mir dann in den Sinn. Sehr kurzgefasst: Er geht davon aus, dass die Umwelt, die Einstellungen und Gedanken Gene beeinflussen können. Dazu hat er auch Experimente durchgeführt. Das besänftigt meinen inneren Mathematiker.

Und egal, wer recht hat, mein innerer Mathematiker oder meine innere Schamanin: Es kann auf jeden Fall nicht schaden! Deshalb bitte ich noch alle Rehe, Füchse und anderen Wildtiere, sich von meinem Auto fernzuhalten (Ihr könnt mich gerne für verrückt halten, aber wie geschrieben, es schadet ja nicht und gibt mir wenigstens ein kleines Gefühl davon, dass ich etwas tue). Schließlich führt uns die Strecke nicht zwischen Felder hindurch, sondern auch durch kurvige, einsame Straßen durch den Thüringer Wald.

Tierärztlicher Notdienst in Thüringen und Hessen

In Thüringen bieten nur noch wenige Tierärzte einen Notdienst für ihre Kunden an. Der und auch der restliche tierärztliche Notdienst wird im Freistaat Thüringen über eine Zentrale gesteuert. In den einzelnen Regionen wechseln sich somit die Praxen mit dem Notdienst ab. In Hessen sieht das anders aus: Wie ich im Nachhinein von meiner Tierärztin erfahren habe, gibt es hier eine Notdienst-Pflicht. Also jeder Tierarzt in Hessen muss für seine festen Kunden einen Notdienst anbieten. Ich hätte lediglich auf dem Festnetz anrufen müssen statt auf dem Handy.

Sicher und heile kommen wir in Bad Salzungen an. Natürlich muss die Wunde neu genäht werden. Somit heißt es für Alex: Vollnarkose die Zweite. Glücklich macht mich das nicht. Vollnarkosen sind immer eine Belastung für den Körper und für einen elfjährigen Hund wie Alex erst recht und dann zwei in weniger als zwei Wochen. Aber es nützt ja nichts. Alex bekommt die Spritze und sackt kurz darauf erst mit den Hinterbeinen weg und dann auch vorne. Langsam legen wir ihn hin. Der Tierarzt und die Tierarzthelferin tragen ihn kurz darauf in den OP-Raum.

Wunder der Medizin: Aufwachspritze für den Hund

Es ist nicht schön, dass wieder mit anzusehen, auch wenn ich weiß, dass Alex gar nichts spürt und einfach nur schläft. Ich setze mich und warte. Ich habe etwas Angst, aber ich bin zuversichtlich und fühle mich in der Tierarztpraxis gut aufgehoben. Wie viel Zeit vergeht, weiß ich nicht, aber der Tierarzt kommt irgendwann raus und sagt: „Es geht ihm gut.“ Kurz darauf legt er eine Decke auf den Boden und legt Alex darauf.

Wieder ein komischer Anblick: Alex Körper hängt schlaff auf den Armen des Tierarztes, sein Kopf hängt hinunter und seine Zunge aus dem Maul. Alex bekommt eine Spritze zum Wachwerden. Welch Wunder der Medizin! Es dauert keine Minuten und er steht wieder – recht munter sogar. Nun hat er einen kräftigen Verband und bekommt noch Antibiotika fürs Wochenende gespritzt. Ich bekomme noch eine Instruktion, dass er geschont werden muss und maximal eine halbe Stunde laufen darf. Am Montag soll meine Tierärztin den Verband wechseln und neue Antibiotika mitgeben.

Erste Hilfe Sets für Hunde

Ich habe zwei Erste Hilfe Kits und ein kleines selbst zusammengestelltes Paket. Eines habe ich zu Hause, eines im Auto und eines packe ich immer in meinen Wanderrucksack. In diesem Fall hatte ich meinen wasserdichten Notfallsack zuerst gefunden. Er ist recht groß und nicht speziell für Hunde, aber der Inhalt kann natürlich auch für Vierbeiner benutzt werden. Dazu gehören einige Bandagen/Mullbinden, Kompressen, eine Schere, Kühlpads und weitere hilfreiche Grundausstattung. Leider gibt es den nicht mehr zu kaufen, aber das Erste-Hilfe-Set von Troika scheint meinem „Sack“ ähnlich zu sein.

Außerdem habe ich noch eine andere Variante: das „Adventure First Aid Kit“ von Alcott. Das Erste-Hilfe-Set ist für Haustiere und beinhaltet auch alle grundlegenden Dinge wie Mullbinden, eine Rettungsdecke und eine Zeckenzange, aber auch Alkoholtupfer, Insektenstichpads und antiseptische Reinigungspads (solche Dinge sollten natürlich regelmäßig auf Haltbarkeit geprüft werden).

An der Kasse sind dann rund 420 Euro fällig. Meine Bankkarte macht Probleme. Mist! Das muss ja jetzt nicht auch noch sein! Glücklicherweise ist mein Bruder noch wach und kann mir per Echtzeit das Geld auf mein anderes Konto überweisen (DANKE an meinen Bruder und comdirect, dass das selbst in der Nacht so schnell funktioniert!!!).

Noch etwas besorgt und aufgebracht, aber beruhigt fahren wir heim. Während der Fahrt und zu Hause bekomme ich aber noch einmal Panik, weil Alex so weggetreten ist, dass er kaum noch atmet und nicht ansprechbar ist. Er liegt in seinem Bett und ich platziere es ganz nah an meines und lege meinen Kopf ans Fußende, damit ich gleich mitbekomme, falls etwas sein sollte.

Nach Operation muss Hund sich erholen und schonen

Kurz frage ich mich, ob ich den „Notfallpunkt“ an der Ohrspitze drücke und das Hunde-Ohr mit Tellington TTouch behandeln soll. Das „Drücken“ soll unter anderem den Kreislauf wieder in Fahrt bringen und bei Schock helfen. Langsame Ohren-TTouches können beruhigend und schmerzlindernd sein. Meine innere Stimme sagt jedoch: „Nein“. Alex muss sich einfach ausruhen.

ACHTUNG Nachtrag: Wenn der Kreislauf im Keller ist, sind langsame Bewegungen kontraproduktiv! Das Ausstreichen der Ohren sollte dann also zügiger erfolgen oder eben die Ohrspitze mit zwei Fingern drücken – einer außen am Ohr, der andere innen. Auch das ersetzt natürlich keinen Tierarztbesuch!!!

Am nächsten Tag ist er topmunter und will sogar schon wieder rennen und springen. Da ich immer noch völlig konfus bin, lasse ich ihn sogar kurz durch den Garten rennen. Mein Kopf denkt nur, es sind ja nur ein paar Minuten und schließlich darf er sich ja eine halbe Stunde bewegen. Dass das für ruhiges Gehen gilt und nicht fürs Springen, schließlich ist die Wunde ziemlich nah am Ellenbogen, checke ich nicht. Die letzten Wochen mit langer Erkältung, ständig kaputtem Auto, Todesfall in der Familie und Alex Operationen waren zu viel: Ich kann einfach nicht klar denken. Egal, ist jetzt so, aber ich habe daraus gelernt und schone ihn nun richtig. Zwei Tage später beim Verbandswechsel sieht die Wunde gut aus. Hoffentlich heilt jetzt alles richtig!

(Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sind die Fäden längst raus und alles ist gut verheilt.)

Literaturliste

Niewöhner, Imke (2014): Erste Hilfe am Hund – Im Notfall richtig handeln, Schwarzenbek, Deutschland: Cadmos Verlag.

Steiger, Susanne C. (2021): Erste Hilfe am Hund – Für den Notfall gerüstet, 1. Aufl., Stuttgart, Deutschland: Müller Rüschlikon Verlag.

Dr. med. vet. Fischer, Elke (2013): Erste Hilfe für meinen Hund – Notfälle erkennen und behandeln, München, Deutschland: Gräfe und Unzer Verlag GmbH.

Tellingtion-Jones, Linda (2010): Tellington Training für Hunde mit DVD, 1. Edition, Stuttgart, Deutschland: Franckh-Kosmos Verlag.

Freiling, Karin Petra (2016): Helfende Hände für die Hundegesundheit – Schmerzen, Verspannungen und Reaktivität verringern – natürlich aktiv berühren, Schwarzenbek, Deutschland: Cadmos Verlag.

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