Zelten mit Hund: Der Harz ruft

Immer wieder sehe ich tolle Bilder von Wanderungen im Harz und lese spannende Blogartikel von dem nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands. Ich selbst war nur einmal in meiner Jugend im Harz – zum Langlaufski. Das Einzige, woran ich mich erinnere, ist, dass es zwar schön, aber wahnsinnig anstrengend war: Meine Schulfreundin und ich hatten uns bei der Distanz etwas überschätzt… Seit einiger Zeit spielte ich mit dem Gedanken noch einmal in den Harz zu fahren und dieses Mal natürlich zum Wandern mit Hund.

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Bei Der Hundling Hannover sehe ich, dass Stephie eine Hunde-Brockenwanderung zum Sonnenuntergang anbietet. Das wäre doch eine gute Idee. Meine Freundin Sabrina hat Urlaub und so ist ein verlängertes Hunde-Wander-Wochenende im Harz geritzt. Unser Wunschcampingplatz ist bereits ausgebucht – Sommerferien. Allerdings finden wir noch einen anderen: einen Naturcampingplatz an der Odertalsperre.

Da mein Hund Alex und ich vom Harz aus weiter in die alte Heimat Bremen wollen, fahren wir mit getrennten Autos. Nach etwa viereinhalb Stunden erreichen wir unser Ziel. Der Campingplatzbetreiber ist am ersten Tag sehr freundlich und leiht uns netterweise einen Stromadapter. Auf einer der Grasterrassen können wir uns einen Platz suchen. Gesagt getan. Mit unserem Familienzelt mit drei Kammern ist das gar nicht so einfach, denn die Terrassen sind ziemlich bewachsen und recht schmal. Wir bekommen es aber aufgebaut. Anschließend begeben wir uns hinunter zum See, der seit 1934 die Oder staut. Alex Hundekumpel Luca springt natürlich in Labradormanier sofort ins Wasser, während Alex den Schäferhund heraushängen lässt und alles bewacht. Am Abend gibt es Regen, gegrilltes Essen und Spiele.

Burgfotos aus Versehen gelöscht

Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wandertour mit unseren Hunden zur Burgruine Scharzfels. Die Sonne scheint (noch) und wir wandern auf breiten Forstwegen hinauf. Die Burg bei Scharzfeld und Barbis liegt auf einem etwa 150 Meter hohen Dolomitfelsen in der Nähe von Bad Lauterberg im niedersächsischen Harz. 1131 wurde sie erstmals erwähnt. Heute sind noch Reste in Form von Hohlräumen, einer Freitreppe und den Fundamenten des Turmes übrig. Wir steigen die Steinstufen hinauf und passieren einen Gang, von dem links und rechts in den Stein gehauene Einbuchtungen abgehen.

1694 ging hier angeblich Niedersachsens berühmtester Skandal zu Ende. Die Prinzessin Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg hatte eine Liebschaft, die natürlich ans Licht kam. Ihr Geliebter Philipp Christoph Graf von Königsmarck verschwand – wahrscheinlich wurde er hingerichtet – die Prinzessin inhaftiert. Ihr Kammerfräulein Eleonore von der Knesebeck überbrachte stets die Liebesbriefe und kam deshalb ebenfalls in Gefangenschaft. Sie wurde in einem Verlies auf der Burg Scharzfels eingesperrt.

Oben angelangt, genießen wir die Aussicht auf das Odertal. Am Fuße der Burgruine gibt es eine kleine Gaststube, in der wir uns anschließend ein Eis besorgen. Eine Stempelstelle für die Harzer Wandernadel ist an der Ruine Scharzfels ebenfalls vorhanden. Wir wandern mit unseren Hunden weiter. Dieses Mal geht es steil bergab und ich bin froh, dass wir nicht hier hochmussten.

Regen über Regen

Über teils breite, aber unebene Pfade, die mit Wurzeln durchzogen sind, kommen wir zur Einhornhöhle. An dem angrenzenden Waldcafé herrscht reger Kinderalarm, weshalb Alex hier nicht verweilen möchte. Die Einhornhöhle lässt sich eh nur mit einer Führung erkunden und Hunde sind nicht erlaubt, deshalb kehren wir wieder um.

Als wir gerade an unserem Zelt ankommen, fängt es richtig an zu schütten. Es ist kaum noch ein Wort zu verstehen, so laut prasseln die Tropfen auf das Zeltdach. Also Zwangsruhe ist angesagt. Für meinen Angsthund Alex kommt die gerade recht und so klettern wir in unsere Schlafkammern. Ich bin zwar wahnsinnig müde, aber ich kann leider nicht schlafen. Also lausche ich dem Trommeln über mir. Zwischendurch schaue ich immer wieder, ob unsere Brockenwanderung abgesagt wird. Da das scheinbar nicht der Fall ist, machen wir uns am Abend auf zum Treffpunkt.

Mittlerweile hat es wieder aufgehört zu regnen. Am Wanderparkplatz sind bereits einige Hund-Mensch-Teams. Es wird kurz geklärt, ob alle da sind, und die Wanderroute wird ausgeteilt. Dann stiefeln wir schon los. Eine coole Strecke wartet auf uns: teils schmale, naturnahe Pfade. Allerdings müssen wir leider bereits nach kurzer Zeit umdrehen, weil der Sturm vom Vortag den Wanderweg mit Bäumen blockiert hat. Im Stechschritt geht es nun teils über breite Schotterwege zur Schutzhütte am Dreiecker Pfahl. Dort legen wir eine Pause ein, bevor wir uns später an die steile alte Panzerstraße wagen. Meine Hüfte steht nicht so darauf, dass wir länger über Asphalt wandern. Sie fängt langsam an zu zwicken.

Wolken nehmen uns die Sicht

Wir sind so rasant unterwegs, dass ich kurz stoppen muss, um einmal durchzuatmen. Der Anstieg hat es in sich und so kommen viele der Teams nach und nach schnaufend am Goethebahnhof an. Von dort blicken wir über den Nationalpark Harz, der etwa zehn Prozent der Gesamtfläche des Harzes ausmacht. Seine knorrigen Bergflächen, Moore, Bachtäler, tiefen Wälder und schroffen Granitklippen verteilen sich rund um den Brocken, der 1.141 Meter in die Höhe ragt.

Kurz Verschnaufen und schon wandern wir mit unseren Hunden weiter. Neben uns verlaufen mittlerweile die Schienen der Brockenbahn, die unter anderem von Wernigerode den Aufstieg des höchsten Berges Norddeutschlands sehr erleichtern würde. Der letzte Abschnitt führt uns wieder über Asphalt (Brockenstraße). Es dämmert schon. Wir erreichen die Spitze samt Brockenhaus noch bevor die Sonne untergeht. Blöd nur, dass der Himmel komplett bewölkt ist. Der Brocken ist eigentlich für seine schnellen Wetterumschwünge bekannt, aber heute will er dem nicht gerecht werden. Somit müssen wir auf einen traumhaften Sonnenuntergang verzichten. Nun gut, was solls.

Der “kleine” Alex möchte bitte vom Goethebahnhof abgeholt werden. 😉

Auf dem Brocken fegt ein eisiger Wind und ich bin froh, als unsere Wanderpause vorbei ist. Alex schien es hingegen gut zu finden. Zumal er sich einen neuen Hundekumpel ausgeguckt hat, mit dem er gerne jetzt Raufen und um die Wette laufen würde. Wir wollen aber wieder bergab. Also Stirnlampen an und auf gehts. Im Dunkeln mit Hund zu wandern, gefällt mir: Es ist ruhig, schön und doch etwas unheimlich. Zwischendurch werfe ich immer ein Blick zurück, um die wackelnden Lichter in einigen Metern hinter uns anzuschauen. Als würden uns übergroße Glühwürmchen verfolgen.

Wir sind wieder im Stechschritt unterwegs. Bei dem einstigen Grenzweg zu Zeiten der DDR geht es dann für mich und meinen Hund nur noch langsamer voran. Zwischen den Steinen sind Spalten, in denen man zu leicht umknicken kann. Erschöpft erreichen wir irgendwann das Auto. Wie lange wir unterwegs waren? Keine Ahnung. Auf jeden Fall haben wir mit unseren Hunden etwa 15 Kilometer zurückgelegt. Es war echt eine anstrengende Tour und ich habe wieder einmal gemerkt, dass das Wandern in großen Gruppen nicht so meins ist: Verschiedene Geschwindigkeiten erfordern regelmäßiges Warten oder eben etwas Hetze, hinzu kommt der Small Talk, der mir nicht liegt. Zu viele Menschen lenken mich zu sehr ab von der Natur, meinem Hund und mir. Aber es war trotzdem schön und ich bin froh, dass wir dabei waren. Diese Nacht schlafen Alex und ich schnell in unserem Zelt ein.

Fachwerkidylle und Torte

Am nächsten Tag fahren wir nach Wernigerode in Sachsen-Anhalt. Die schönen Fachwerkhäuser begeistern mich gleich beim Hereinfahren. Ihnen verdankt die Stadt den Beinamen „Bunte Stadt am Harz“, den Wernigerode von Hermann Löns erhielt. Von der historischen Innenstadt sehen wir allerdings nicht viel: Für den Geschmack meines Hundes ist einfach zu viel los. Also die Fachwerkidylle samt dem schiefen Haus, dem ältesten Haus und dem kleinsten Haus bleibt uns verborgen. Stattdessen machen wir eine Kaffee- und Tortenpause. Mhhh lecker! Danach geht es dann auch schon wieder zurück zum Auto und auf zum Blauen See.

Der Blaue See ist zwar ganz nett, aber auch enttäuschend: Erstens haben wir uns den viel größer vorgestellt und zweitens ist er nicht blau, sondern grün. Normalerweise schimmert er aufgrund seines hohen Kalkgehaltes azurblau. Heute ist er aber nun einmal grün. Wie ich später erfahre, liegt das daran, dass Sommer ist. Blau gibt es nur im Frühjahr. Danach steigen der Nährstoffgehalt und Algenwuchs, dadurch der Farbenwechsel. Die Größe schwankt je nach Witterung: Gibt es nur wenige Regentage, wird der Blaue See immer kleiner und verschwindet manchmal sogar. Am Ufer machen wir eine Pause. Luca nimmt natürlich ein Bad und Alex erklimmt die Kalksteinwände.

Wir kommen wieder

Wir legen noch einen weiteren Stopp beim Königshütter Wasserfall ein. Dieser befindet sich direkt an der B27. Er wurde 1994 am Südhang des Rabensteins angelegt. Alex steigt in das kleine Wasserbecken, um sich zu erfrischen. Sabrina steigt kurz den Pfad links neben dem Wasserfall hoch: Dort gibt es eine schöne Aussicht und eine Möglichkeit zum Weiterwandern mit Hund. Der Rast- und Grillplatz ist belegt, da es wieder anfängt zu regnen. Die Stempelstelle der Harzer Wandernadel ignorieren wir und kehren zurück zum Campingplatz. Wir legen einen zweiten Grill- und Spieleabend ein.

Am letzten Tag drehen wir nur noch eine kleine Runde mit unseren Hunden durch den Wald am Campingplatz, bevor wir den Harz wieder verlassen. Alex und ich kommen bestimmt wieder, schließlich möchte ich noch mehr der Naturschönheiten und Wanderwege des Harzes mit meinem Hund entdecken. Und vielleicht zeigt sich ja dann auch das Brockengespenst…

Ps: Irgendwie war ich an dem Wochenende und später zerstreut: Ich habe unsere Wandertour zum Brocken zwar aufgezeichnet, hatte aber vergessen, sie zu stoppen. Da sie so auch unsere Autofahrt beinhaltete, habe ich sie gelöscht – ohne unseren Startpunkt und Streckenverlauf festzuhalten. Auch meine Fotos, die ich mit meiner Sony Alpha 6000 gemacht habe, löschte ich später, in der Annahme, ich hätte sie schon auf den Computer übertragen. Ups. Glücklicherweise gibt es wenigstens ein paar Handybilder…

Der Campingplatz Glockenthal ist meiner Ansicht nach ok. Beim Zelten (mit Hund) sollte man allerdings nicht zu anspruchsvoll sein. Wie das Bad bei den Wohnmobilen ist, weiß ich nicht, aber unseres war – nun ja. Glücklicherweise habe ich bereits während meines Praktikums in Spanien gelernt, beim Duschen nicht mehr genau hinzusehen… Das war hier ein Vorteil. Schön ist der direkte Zugang zu der Odertalsperre, in der man auf eigene Gefahr verschiedene Wassersportarten betreiben darf, wie Schwimmen, Angeln, SUP und Rudern. Motorboote sind verboten. Hunde sind auf dem Campingplatz natürlich erlaubt. Die Preise und weitere Infos über den Campingplatz Glockenthal erfährst Du hier auf dessen Website.

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