Regen im „Paradies“

Ich mag Regen. Das Trommeln auf dem Autodach. Das Rauschen zwischen den Blättern. Regen lässt alles andere verstummen. Reinigt die Luft und die Welt. Versorgt die Natur. Im Regen draußen unterwegs zu sein, lieb ich ebenfalls. Denn dann hat man die Wege meist für sich allein. Ich atme beim Wandern im Regen besonders tief, weil die Luft sich besser, frischer anfühlt, irgendwie gesünder. Mein Hund Alex geht nicht gerne im Regen wandern oder spazieren.

Kein Wunder: Er hat dichte Unterwolle. Wenn die nass ist, ist sie nass. Trocknen dauert ewig. Selbst ein Föhn hat keine Chance bei diesen vielen, feinen Haaren. Deshalb zog doch vor einigen Jahren ein Hundebademantel bei uns ein. All die vorherige Skepsis war nach unserem Kurztrip im Westerwald verschwunden (hier nachzulesen: „Mit vier Hunden im Westerwald: Kuchenglück und Freudentränen“). Und schon lange schlummert in meinem digitalen Warenkorb ein Regenmantel für Hunde. In der Hoffnung bald das Geld dafür übrig zu haben und dass Alex dann auch gerne mit mir durch den Regen wandert.

Als wir vor über zehn Jahren nach Baden-Württemberg gezogen sind, bekam ich im ersten Sommer richtig schlechte Laune. Drei Monate Sonnenschein. Das war zu viel für mich Norddeutsche. Bremer sind schließlich an Schmuddelwetter gewöhnt und nicht an dauerhaften Sonnenschein. Ich mag schönes Wetter und sonne mich gerne, aber ich brauche eben regelmäßig Regentage!

Ein exklusiver Stellplatz in Schweden

Aber dann gibt es die anderen Momente, wie jetzt hier in Schweden. Das Trommeln auf meinem Autodach weckt mich. „Nicht schon wieder“, denke ich schlaftrunken. Vor einer Woche haben mein Hund Alex und ich unseren privaten, exklusiven Stellplatz mitten im Wald direkt am See in Osby kommun bezogen (wieso, weshalb, warum erzähle ich in dem Blogartikel „Willkommen im Paradies“.). Es gibt nur einen Weg zu uns durch den Wald und dabei handelt es sich um einen Privatweg. Wir sehen nur Seemöwen und heute lief ein Eichhörnchen vorbei. Na ja und das Klischee wird bedient: Zahlreiche Mücken zelebrieren an mir Festmahle. Aber an deutschen Seen tanzen ebenso viele Mücken um einen herum, wie wir es am Bodensee erlebt haben (nachzulesen in meinem Artikel „Zelten mit Hund: Fluch und Segen am Bodensee“). Also kein rein schwedisches Phänomen.

Die ersten Tage waren trocken. Dann wurde es wechselhaft. Etwas Regen, Sonne, Regen, Sonne. Mehrmals im Wechsel pro Tag. Einmal wurde der Himmel sogar richtig dunkelgrau. Es donnerte über unseren Köpfen und der Regen knallte lautstark aufs Autodach meines Minicampers. Sowohl mein Hund Alex als auch ich fühlten uns trotzdem sicher. Ich kuschelte mich unter meine Bettdecke und er sich an mein Bein. Gemütlichkeit pur.


„Hund im Gepäck – das Magazin“

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erfährst die Geschichte hinter Schnüffel Dog und von meinen Fehlern, Zweifeln und guten Absichten im Hundealltag in meiner Kolumne „Ich bin (k)ein schlechtes Frauchen“.


Glücksmoment: Mit dem Hund im Minicamper kuscheln

Sonntag fiel dann gänzlich ins Wasser. Für mich war das okay. Und die trockene Natur freute es. Wir verbrachten somit aber fast den ganzen Tag im Minicamper. Besondere Glücksmomente inklusive: Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als wenn mein Hund Alex dicht an meinen Beinen liegt, leise schnarcht und seinen Kopf auf meinem Bein ablegt. Vor allem, weil er sich anfangs nicht anfassen ließ und bei jedem Menschen einen Mindestabstand einhielt. Die Angst mir gegenüber verlor er recht schnell. Allerdings dauerte es einige Jahre, bis er Schmuse-Einheiten für sich entdeckte.

Zurück im Minicamper in Südschweden verschönerte das Trommeln auf dem Autodach, das sich mit dem Vogelgesang draußen vermischte, den Glücksmoment. Einfach herrlich. Der Nachteil am dauerhaften Regen im Minicamper ohne Standheizung: Die Sachen werden etwas klamm. Einen Tag später zeigte sich dann wieder die Sonne und wechselte sich mit Nieselregen ab. Es folgte ein herrlicher Abend am See mit der untergehenden Sonne und eine beseelte Nachtruhe. Bis zum erneuten Trommeln. Bei den ersten Regenmomenten war es noch zwischendurch romantisch. Als Alex im Kofferraum unter seiner Decke lag, ich mit meinem Kaffee in der Hand neben ihm sitzend bei geöffneter Heckklappe. Wieder das Rauschen durch die Blätter und das Trommeln auf dem Dach im Ohr. Doch die Gemütlichkeit und Romantik verschwand.

Wir müssen warten

Die Regenpause nutzen wir, um die 200 bis 300 Meter zum Wohnhaus zurückzulegen. Für einen Besuch im Badezimmer und Reis kochen. Im Auto war es zuvor schon etwas klamm und kühl. Im Haus spürt man von der Feuchtigkeit draußen nichts und die Temperaturen sind angenehm. So können Alex und meine Knochen sich wieder erwärmen. Ich koche, erledige nebenbei Arbeit. Alex liegt längs auf dem Boden und schlummert. Mein Blick wandert nach draußen und sieht jede Menge Tropfen. Nun nimmt mein Ohr wieder das Trommeln wahr, wenn auch deutlich leiser.

„Wir warten wohl noch eine Weile, bis wir zurückkehren“, sage ich zu Alex. Mein Hund hört jedoch gar nicht zu. Ich blicke weiter aus dem Fenster. Sehe die Tropfen, die sich von dem Terrassendach auf den Rasen fallen lassen. Schön, ja. Aber jetzt etwas zermürbend. Meine Bettdecke bleibt dadurch weiterhin klamm. Und dann tauchen wieder diese Fragen in meinem Kopf auf: Schade ich damit Alex? War es wirklich richtig, in Schweden zu bleiben und für ein paar Wochen im Auto zu wohnen? Was, wenn die Feuchtigkeit Alex‘ Arthrose verschlimmert? Oder ihm zusätzliche Beschwerden oder Erkrankungen bringt? Altert er dadurch vielleicht schneller und wir haben noch weniger Zeit zusammen?

Und nochmal warten: auf die nächsten vier Wände

So dankbar ich für diese Möglichkeit hier in Südschweden bin. Die völlig unerwartet und kurzfristig eintraf. Und so schön, wie ich es hier am See finde. Manchmal kommen Zweifel und Sorgen. Denn das Wichtigste für mich ist und bleibt, noch so viel Zeit wie möglich mit Alex zu verbringen. Schöne Zeit, versteht sich.

Stand jetzt dauert es noch drei Wochen, bis wir wieder ein festes Dach über dem Kopf haben. Sofern alles gut geht. Und noch zweieinhalb Monate, bis wir wieder ein unbefristetes Zuhause haben. Wenn, alles gut geht.

Klar, es ist, als würden wir einen fast ganz normalen Campingurlaub machen, wie wir es bereits mehrfach erlebt haben. Aber Alex gehört mittlerweile zu den Seniorhunden. Hat mehr Wehwehchen. Außerdem macht es einen kleinen feinen Unterschied, ob man im Minicamper schlafen will oder muss. Und ob man abbrechen kann und nach Hause fahren kann oder eben nicht.

Nicht nur im Minicamper überleben

Mir wurde hier zwar ein Zimmer angeboten. Aber das habe ich abgelehnt. Ich bin grundsätzlich gerne alleine und in der „Krise“ erst recht. Meine mehrmaligen Versuche. in einer WG zu leben, liefen alle nicht sehr gut. Ich brauche meinen Freiraum und habe nicht gerne täglich Kontakt zu Menschen.

Klar, wenn alle Stricke reißen und es besser für Alex (und mich) sein sollte, ziehen wir in das Zimmer. Aber irgendwie hoffe ich, dass wir es im Minicamper nicht nur überleben, sondern gut haben. Dass uns das noch näher zusammenschmeißt. Mich mehr mit mir und der Natur verbindet. Meinem Nervensystem hilft, noch weiter herunterzufahren und unten zu bleiben. Mir die Gelassenheit, Ruhe sowie Leichtigkeit von einst zurückbringt und damit auch Alex.

„Det ordnar sig“, das löst sich, wie die Schweden sagen. Während ich die Zeilen schreibe, erfüllt mich wieder Dankbarkeit und Zuversicht. Schließlich erleben mein Hund Alex und ich im schwedischen „Paradies“ viele wundervolle Momente zusammen. Auch im Regen.


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