Armut mit Hund: eine meiner bisher persönlichsten Geschichten

Die Wärme zieht vom Mund über den Hals in den Bauch. Die heiße Brühe tut gut. Sie versorgt den Körper mit Nährstoffen und stoppt das Hungergefühl – zumindest ein Stück weit. Überraschenderweise finde ich es okay, nicht mehr essen zu können. Tapfer und gelassen halte ich drei Tage Brühe durch. Dass dieser neue Tiefpunkt doch nicht der tiefste ist, zeigt sich erst später. Bis dahin bin ich dankbar, dass ich wenigstens für meinen Hund Alex richtiges Essen habe. Auch wenn nur das günstigste Hundefutter in seinem Napf landet, das es im Supermarkt gibt.



Im Nachhinein fällt es mir normalerweise immer leicht, von meinen Problemen und Herausforderungen zu berichten. Doch diese Zeilen fallen mir trotzdem schwer. So viel Scham und Schuldgefühle. Außerdem weiß ich nicht recht, wo ich anfangen soll, was kann oder sollte ich weglassen, wie weit darf ich gehen? Und wo fing das Elend eigentlich an?

Ich bin quasi ein Analytiker und ein Lösungsfinder: Ich gehe den Sachen auf den Grund, selbst wenn ich dafür Ewigkeiten brauche und tausend Mal um die Ecke denken muss. Natürlich habe ich das dieses Mal auch getan. Ich habe das gefühlt größte Problem meines Lebens von allen Seiten beleuchtet, auseinandergenommen, wieder zusammengesetzt und bis zum Erbrechen analysiert. Ich weiß, wieso, weshalb, warum. Trotzdem lässt sich das nicht einfach in wenigen Worten erzählen. Ein ganzes Buch wäre passender, um das alles vernünftig darzustellen. Keine Sorge, so weit werde ich nicht ausholen. Schließlich muss ich manches bewahren – zum Schutz für mich und für andere. Kurz und knapp: Ich lebte eine ganze Weile in Armut mit Hund. Ich war nicht armutsgefährdet, weil ich weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdiente, sondern steckte in der absoluten Armut, weil ich meine Rechnungen nicht bezahlen konnte und nicht einmal meine Grundbedürfnisse wie Nahrung und Miete decken konnte.

Die Anfagsfehler einer Selbstständigen

Als freiberufliche Journalistin hatte ich schon öfter einmal finanzielle Schwierigkeiten, weil ich blöderweise am besten aus Fehlern lerne und davon gab es zu Beginn meiner Selbstständigkeit einige. Mit viel zu schlecht bezahlten Aufträgen kaputtgeackert. Daraus konnte ich mich retten, aber dann hatte ich nur auf ein großes Projekt gesetzt. Mehrere Monate hatte ich dafür freigehalten und dann kam es, wie es kommen musste: Der Projektstart verschob sich immer weiter nach hinten und der Umfang schrumpfte. Im Endeffekt kam nicht einmal mehr ein Drittel der vereinbarten Summe dabei heraus. Aber auch da kam ich unter anderem mit der Hilfe meines Bruders und meines Onkels heraus. Irgendwie ging es immer weiter. Irgendwann aber leider nicht mehr.

Armut in Deutschland

Laut der Pressemitteilung Nr. 039 vom 3. Februar 2026 des statistischen Bundesamtes hatten 2025 13,3 Millionen Menschen in Deutschland ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze und galten dadurch als armutsgefährdet. Das entspricht 16,1 Prozent der Deutschen. Im Jahr 2024 waren es 15,5 Prozent. Die Europäische Union hat definiert, wer als armutsgefährdet gilt, und zwar wer weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung hat. 2025 waren das in Deutschland 1.446 Euro netto für eine alleinlebende Person und für eine Familie (zwei Erwachsene und zwei Kinder unter 14 Jahren) 3.036 Euro. Neben dem Einkommen wird auch die Möglichkeit der Teilhabe an der Gesellschaft betrachtet. Damit wächst der Anteil der Menschen, die in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. 2025 waren es 17,6 Millionen (21,2 Prozent). „Nach EU-Definition gilt eine Person als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.“

Verschiedene Ereignisse, von denen manche nicht in meiner Hand lagen, kamen zusammen. Ehe ich mich versah, kämpfte ich mich von Woche zu Woche von Rechnung zu Rechnung. Anfangs dachte ich, es geht irgendwann wieder bergauf – so wie immer. Aber je länger der Kampf anhielt, umso mehr schwand die Zuversicht oder vielmehr die Kraft. Ich glaube, der erste Tiefpunkt war, dass ich meine Miete nicht mehr pünktlich zahlen konnte. Das zog sich einige Monate. Es folgten weitere außerplanmäßige Rechnungen und weitere, die ich dann gar nicht mehr zahlen konnte. Die Liste wuchs weiter und weiter. Mit jedem Honorar musste ich abwägen. Welche Zahlung ist am wichtigsten? Das ging eine Zeit lang gut, aber irgendwann ist man nicht mehr in der Lage, das vernünftig zu entscheiden. Vor allem wenn das Geld nicht zum Essen reicht.

An Zahlungserinnerungen und Mahnungen hatte ich mich bereits gewöhnt. Ich weiß aber noch, mein Herz schlug schneller und ich bekam Angst, als der erste Brief eines Inkassounternehmens im Postkasten lag. Nach dem Zehnten kratzte mich das nicht mehr. Immer wieder musste ich mir Geld leihen, um wenigstens ein bisschen Essen zu haben – vor allem für meinen Hund, aber auch für mich. Und fürs Tanken, denn ohne Auto konnte ich keine Aufträge übernehmen. Ohne Aufträge gar kein Geld.

Mögliche Unterstützung / Anlaufstellen

Bürgergeld / Grundsicherung (Jobcenter)

Wohngeld (Wohngeldstelle der Kommune)

Kinderzuschlag (Agentur für Arbeit)

Tafeln für Lebensmittel (in vielen deutschen Orten)

Tiertafeln: Futter, Zubehör, teils auch Unterstützung für Medikamente und Tierarztbesuche

Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser

Schuldnerberatung: Organisationen wie Caritas, die Diakonie, DRK u. Ä. bieten kostenlose Unterstützung bei finanziellen Problemen

Sozialberatung: Unterstützung bei Anträgen, Behörden, Wohnungslosigkeit, psyschischen Belastungen und mehr (ebenfalls bei verschiedenen Organisationen kostenlos)

Bahnhofsmission/Obdachlosenhilfe, Gesundheits- und Nothilfen: Schlafplätze, Essen, Kleidung, teils medizinische Versorgung

Foodsharing /Fairteiler: Manche Städte bieten Foodschränke um „gerettete“ Lebensmittel zu verschenken, es gibt auch u. a. die Plattform Foodsharing Deutschland

Suppenküchen & Sozialcafés

Tierheime und Tierschutzvereine helfen teilweise auch

Spendenflohmarkt Notfellchen (Facebookgruppe)

Herzpfötchen Basar (Facebookgruppe)

Frauenhäuser & Opferhilfe (z. B. Weisser Ring)

Urlaub gegen Hand: Facebookgruppen, kostenpflichtige Plattformen wie workaway und wwoof Deutschland

Hilfe gegen Hilfe: Nachbarschaftshilfen, Facebookgruppen, die Seite machdudas, nebenan.de, Kleinanzeigen

Zerplatzte Chancen

Immer wieder gab es Hoffnungsschimmer: mögliche Aufträge und Kooperationen, die kurz vor der Umsetzung dann abgesagt wurden. Selbst absolut sichere Einsätze fielen plötzlich aus. Dann endlich einen neuen Kunden gewonnen – die Hoffnung wächst wieder. Doch dann zum ersten Mal Unzufriedenheit mit meiner Arbeit. Also wollte er das volle Honorar nicht bezahlen.

Mit den Zahlungen meines Hauptauftraggebers konnte ich nicht vernünftig planen, da ich trotz Anstrengungen das Auszahlungssystem nicht durchblickte. Wurde wochenlang mittwochs bezahlt, fiel es ausgerechnet in der Woche aus, in der ich eine dringende Rechnung bezahlen musste. Also wieder Geld leihen. Zwischendurch traute ich mich das schon gar nicht mehr. Deshalb aß ich drei Tage lang nur Brühe.




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Die Scham und die Schuldgefühle, sein Wort nicht halten zu können, wuchsen und waren zwischendurch zu groß. Und dann ging es doch wieder nicht anders und ich musste wieder jemanden um Geld anschnorren. Ein weiterer Tiefpunkt war, das erste gerichtliche Mahnschreiben. Auch das beunruhigte mich einerseits, andererseits eignet man sich mit den Monaten eine gewisse Gleichgültigkeit an, die einen überleben lässt – zumindest tagsüber. In der Nacht schreckte ich regelmäßig hoch, aus Angst. Die Verzweiflung und Sorgen hielten mich zahlreiche Nächte wach. Das schlauchte. Die Energie schwand von Tag zu Tag. Trotzdem kämpfte ich weiter. War dankbar, dass es meinem Hund an sich gut ging, ich durch ihn und mit ihm wenigstens noch etwas Freude erlebte. Für Ausflüge, Wanderungen und gar Reisen war aber natürlich kein Geld da. Wie geschrieben, teils nicht einmal für Essen.

Über die eigene Armut spricht man nicht

Und dann kam der nächste Tiefpunkt: Zwei Tage konnte ich meinem Hund nur Reis füttern, weil ich wieder auf mein Honorar warten musste. Es zerrte so sehr an den Nerven, wenn man mehrmals am Tag auf das Konto schaute, in der Hoffnung, dass endlich das Geld eingeht. Aber leider wurde man jedes Mal nur enttäuscht. Abgesehen von meinem Bruder bekamen es nur wenige mit. Wie schlimm meine Situation war, habe ich lange Zeit niemandem erzählt – höchstens Andeutungen gemacht. Selbst heute wissen manche meiner Freunde und Familienangehörigen nichts davon – aus Scham. (Es sei denn, sie lesen diesen Artikel.)

Ein paar Worte für Betroffene

Ich kann keine Tipps geben, wie jemand aus der Armut kommt, weil jede Situation individuell ist und somit eine individuelle Lösung benötigt. Aber falls Du in einer ähnlichen Lage bist, möchte ich Dir sagen: Du bist trotzdem wertvoll und gibst immer Dein Bestes! Belastende Situationen und Umstände sorgen leider dafür, dass es auch Tage gibt, die man einfach nur übersteht. Das ist aber dann eben auch das Beste, das man in dem Moment tun kann. Ich selbst habe mir früher viele Vorwürfe gemacht. Mittlerweile weiß ich aber, wie wichtig es ist, liebevoll mit sich umzugehen. Egal, ob man seinen Mist selbst verursacht hat oder nicht. Wir sind Menschen und Menschen machen Fehler! Vertraue Dich jemandem an. Entweder aus Deinem Umfeld oder wende Dich an eine Hilfsorganisation. Wenn Du Deinen Kummer einfach nur loswerden möchtest, ruf die Telefonseelsorge an. Und ich empfehle Dir, auch immer an Dich zu denken. Ja, Rechnungen und Schulden müssen bezahlt werden. ABER nutze auch immer einen Teil Deiner Einkünfte für Dich. Ich habe das anfangs nicht gemacht und teils sogar gehungert. Das hat nicht dafür gesorgt, dass ich meine Schulden schneller abgebaut habe, sondern nur für sehr viel Frust und zusätzlichen Kummer. Und das hat wiederum dazu beigetragen, dass ich noch weniger arbeiten konnte.

Eine Freundin wusste es nur im Ansatz, aber das reichte, um mir eine Futterspende weiterzuleiten. Wofür ich damals und heute noch sehr dankbar bin. Denn so war das Essen für meinen Hund Alex über einen Monat gesichert. Dieses Mal gab es etwas besseres Hundefutter als das Billigzeug aus dem Supermarkt. Das belastete mich nämlich zusätzlich. Hatte ich vorher viel wert darauf gelegt, dass Alex hochwertiges Futter bekommt, am besten Bio, war zu der Zeit nur noch „Hundejunkfood“ drin. Bei jeder Mahlzeit kämpfte mein Inneres: Einerseits dankbar, dass ich ihm überhaupt Hundefutter geben konnte, andererseits Schuldgefühle, weil er aufgrund der mangelnden Qualität nicht optimal versorgt wurde. Durch die Futterspende fiel diese Last wenigstens eine Weile von meinen Schultern. Auch wenn es sich wie der nächste Tiefpunkt anfühlte.

Ein absoluter Kraftakt. Hinzu kamen all die Bemühungen. Ich habe vorher noch nie so viele Bewerbungen geschrieben: sei es für neue Aufträge oder für Festanstellungen. Natürlich war ich so verzweifelt, dass ich meine berufliche Freiheit, die mir unglaublich wichtig ist, aufgegeben hätte. Trotz des Wissens, dass mich Festanstellungen krank machen. Aber dann hätte ich mal vorübergehend andere Sorgen und Probleme. Könnte wieder nicht nur vernünftig essen, sondern vor allem regelmäßig. Doch leider klappte nichts. Nur eine theoretische Möglichkeit wurde mir angeboten. Allerdings war das nicht der Job, auf den ich mich beworben hatte. Dieser Neue kam aus verschiedenen Gründen leider einfach nicht in Frage.

An sich gibt es Möglichkeiten, aber keine passte

Neben der Job- und Auftragssuche kümmerte ich mich um meine Traumata aus dem Leben, um meine Ängste, um meine Glaubenssätze, um meinen Umgang mit Geld und noch mehr. Für Hartz IV (heute Bürgergeld) und dergleichen verdiente ich teils zu viel. Ein Job mit schlechterem Verdienst, wie zum Beispiel im Supermarkt oder in der Gastronomie, hätte meine Kosten nicht decken können. Eine Insolvenz hätte ebenfalls nichts gebracht. Workaway und temporäre Obdachlosigkeit waren weitere Möglichkeiten, die ich ernsthaft in Betracht zog. Und noch jede Menge mehr: Als sehr kreativer Mensch dauert es wahnsinnig lange, bis einem die Ideen ausgehen. Nichts half. Die Unterstützung einer Tiertafel konnte ich ebenfalls nicht Anspruch nehmen, weil ich die Bedingungen nicht erfüllte.

Empfehlungen für Angehörige und Freunde

Wenn sich jemand an Dich wendet, dann frage ihn zuallererst, was er gerade von Dir braucht. Also, ob er einfach nur möchte, dass Du zuhörst, ob er einen Rat möchte, mit Dir Ideen sammeln möchte, um das Problem zu lösen oder was auch immer. Und dann mach bitte nur das, und zwar mit voller Aufmerksamkeit, Verständnis und Mitgefühl. Wenn man Schwierigkeiten hat, egal welcher Art, helfen Vorwürfe natürlich überhaupt nicht und unerbetene Ratschläge leider auch nicht. Ich weiß, die sind natürlich gut gemeint, aber sie können der betroffenen Person das Gefühl vermitteln, sie sei zu blöd oder nicht gut genug u. Ä. Ich habe es erlebt, dass mir jemand helfen wollte und einfach draufplapperte. Das war natürlich sehr gut gemeint, aber für mich war es einfach nur anstrengend. Denn ich hatte jeden einzelnen Vorschlag selbst schon gründlich zuvor durchgekaut. Irgendwann fühlte ich mich ausgelaugt und „blöd“, weil ich immer wieder Sätze sagen musste wie: „Damit habe ich mich auch schon befasst, aber darauf habe ich leider keinen Anspruch.“ Als Außenstehender muss man nicht die Lösung parat haben. Manchmal möchte sich eine Person mit Problemen einfach das Leid von der Seele reden. Mit richtigem Zuhören hilft man demjenigen schon ungemein. Man kann eine Person natürlich auch mit kleinen Freuden unterstützen: indem man sie zu einer Pizza oder einem Kinobesuch einlädt, einen selbstgebackenen Kuchen vorbeibringt, sie zum Wandern oder Spazierengehen abholt, ihr aussortierte Kleidung, Haushaltswaren oder Möbel anbietet, Futter für die Tiere schenkt oder Ähnliches. Aber bitte nicht mit vor Mitleid überlaufenden Augen anbieten. Denn das kann der Person zusätzlich ein schlechtes Gefühl geben. Mir wurde selbst von einer Freundin und einer ihrer Freundinnen mehrmals Kleidung geschenkt. Erst da habe ich den Spruch „Kleider machen Leute“ kapiert. Zuvor konnte ich mir ewig keine Kleidung kaufen und trug immer das gleiche, teils kaputte Sachen. Die größere und bessere Auswahl zauberte mir bei jedem Blick in den Spiegel ein Lächeln ins Gesicht. (An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank!)

Die nächsten Tiefpunkte folgten. Mir wurden wichtige Versicherungen gekündigt. Zahlreiche Bemühungen um Ratenzahlungen klappten zwar, aber ich konnte die dann nicht einhalten, weil wieder mal das Geld entweder nicht reichte oder nicht rechtzeitig ankam. Dann klingelte es eines Morgens. Beim Blick durch die Tür dachte ich, der unbekannte Mann hätte sich geirrt. Das passiert Gerichtsvollziehern vermutlich eher selten. Er hatte also die richtige Klingel gedrückt. Ich hatte wieder einmal Glück und bekam eine Gnadenfrist. Als er weg war, brach ich heulend in meiner Küche zusammen. Aber ich kam wieder hoch und kämpfte weiter.

Die Zahlung konnte ich dann mit Ach und Krach einhalten. Es folgte aber ein weiteres gerichtliches Mahnschreiben, wieder Kündigungen und dann Vollstreckungsbescheide, die ich glücklicherweise immer mit Ach und Krach abwehren konnte. All die Sorgen und all der Stress raubten mir nicht nur den Schlaf, sondern machten mich körperlich krank, sodass ich noch weniger Geld verdienen konnte.

Wenn die Hoffnung schwindet

Ich bin eine Kämpferin mit dem Hang zum Optimismus, das war ich schon immer, aber ehrlich gesagt war ich mehr als einmal kurz davor, aufzugeben, und zwar richtig. Dass mir das passiert, hätte ich vorher nie gedacht. Erst recht nicht wegen Geld. Man rackert sich ab, gibt alles und geht selbst ungewöhnliche Wege, aber nichts hilft. Das zwingt vermutlich viele irgendwann in die Knie. Oft konnte ich die dunklen Gedanken wieder abwenden – teils, weil der Mut fehlte, und meist dank meines Hundes Alex. (Hinweis: Ein Tier ist natürlich nicht automatisch eine Hilfe, sondern kann in solchen Situationen eine zusätzliche enorme Belastung sein, die die Situation verschlimmert.)

An einem Tag wurde es aber richtig dunkel. Bei einem Spaziergang mit Alex schmiedete ich Pläne. Schließlich kannte ich nun leider eine weitere Person, die ihr Leben beendet hatte. Dieses Mal jemand aus der Familie. Das lieferte mir schlechte Inspiration für manches. Außerdem überlegte ich mir, wie ich Alex unterbringen kann, ohne dass Verdacht geschöpft wird.

„Am Ende ist alles gut“ oder auch nicht

Fest entschlossen ging ich so wieder nach Hause. Kurz vorher kam ich dann davon ab. Warum, weiß ich tatsächlich nicht. Auf einmal war dieser feste Wunsch und die tiefe Überzeugung weg. Ich wollte dann doch weiterkämpfen. Das tat ich, wenn auch die Kräfte und die Energie immer mehr nachließen. Die Verzweiflung zeigte sich aber noch ein paar Mal. Man erschreckt sich schon etwas über einen selbst, wenn man bei einem Hundespaziergang jeden Baum genauer inspiziert und sich fragt, welcher Ast stabil und hoch genug ist, aber noch leicht erreichbar. Auch diese gruseligen Gedanken sind wieder verschwunden.

Meine Lernerfahrungen mit Geld

Es klingt abgedroschen, aber es stimmt einfach: Es kann jeden treffen. Denn kein Job der Welt ist sicher und niemand ist vor Krankheit gefeit. Es lassen sich auch nicht immer alle Fehler vermeiden. Schließlich stellen sich manche Dinge auch erst im Nachhinein als Fehler heraus. Das Beste, das jeder tun kann, ist meiner Meinung nach, sich mit dem Thema Geld zu beschäftigen. Ein gutes Buch, das ursprünglich für Kinder geschrieben wurde, aber sich auch sehr gut für Erwachsene eignet ist „Ein Hund namens Money“ (Affiliate Link) von Bodo Schäfer. (Zu seinen anderen Büchern kann ich nichts sagen und sein Kursangebot kommt mir persönlich etwas komisch vor, aber das Buch kann ich empfehlen.) Hätte ich das früher gelesen, hätte ich früher einen besseren Umgang mit Geld gelernt und vielleicht manche Fehler nicht begangen. Dazu gehören beispielsweise folgende Fehler:

  • Ratenkäufe
  • Kreditkarten
  • Kredite
  • alle Einkünfte in Rechnungen/Raten gesteckt, statt meine Versorgung einzuplanen und an erste Stelle zu setzen und mir auch einmal eine Freude zu machen
  • kein Budgetplan, sondern einfach irgendwie alles ausgegeben
  • keine Rücklagen bzw. nur ganz kleine
  • mit Geld geplant, das ich noch nicht hatte

Selbst an den schlimmsten Tagen füllt sich mein Herz mit Freude und ich lächle jedes Mal, wenn mein Hund Alex mit voller Freude und Energie durch den Garten flitzt oder mich mit seinen bernsteinfarbenen Augen anstrahlt und seine Schmuseeinheiten fordert. Ohne ihn wäre ich vermutlich nicht mehr da. Mein Kampfgeist und mein Optimismus tun ihr Übriges. Wie soll ein portugiesischer Schriftsteller gesagt haben: „Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“ Und in der Tat war das noch nicht das Ende. Denn dann wurde Alex krank, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr…


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