Hundeerziehung: Seinen eigenen Weg finden

Jeder, der sich einen Hund zu gelegt hat, beschäftigt sich früher oder später mit dem Thema Erziehung. Die einen wälzen erst einmal Literatur oder das Internet, die anderen gehen direkt zu einem Trainer oder in die Hundeschule. Egal welchen Schritt man wählt, fällt doch schon bald auf, dass es verschiedene Ansätze gibt und viele meinen, sie haben den einzig richtigen.

Da ich einige Erfahrungen gesammelt habe in Sachen Hundeerziehung, wollte ich das Thema eh einmal behandeln. Dank Nina von Der weise Hund und ihrem Aufruf ist es jetzt früher als später geworden. Und wie sich im Folgenden zeigt, habe ich einiges dazu zu sagen. (Ninas Beitrag gibt es hier: Meine Philosophie Hund – Hundetraining unter der Lupe)

Früher habe ich mich gar nicht mit dem Thema Hundeerziehung auseinandergesetzt. Irgendwie wusste ich instinktiv, was zu tun ist. Der erste Hund, der in meinem Leben war, war ein problematischer Boxer. Er hatte nicht nur mein Pony (eine absolute Zicke) gebissen, sondern auch meinen Bruder. Mich hat er hingegen in Ruhe gelassen. Zufall könnte man jetzt sagen, doch ein Hund später sah es ähnlich aus. Unser Zwergschnauzer, Karl Meier, ließ sich nach einem Unfall bei dem er sich beide Vorderpfoten gebrochen hatte, nicht mehr auf den Arm nehmen. Lange Zeit war ich die Einzige, die das durfte. Auch als bockig verschriene Pferde waren bei mir Lammfromm.

Absolutes Vertrauen macht eine gute Beziehung aus

Mit meinem letzten Hund hatte ich schließlich die beste Beziehung. Er war der erste, den ich ausgesucht habe. Zuerst war er ein Familienhund und als ich ihn nach meinem Auszug nachholte, war er aus dem gröbsten schon raus. Doch es funktionierte einfach. Ich konnte ihm zu jeder Zeit zu hundert Prozent vertrauen. Selbst an der Hauptstraße ließ ich ihn ohne Leine laufen. Wenn ich im Biergarten jobbte, konnte er frei herumlaufen. Ich brauchte mir keine Sorgen machen, dass er auf die Straße läuft oder abhaut. Struppi war zwar nicht so scharf auf andere Hunde, aber hin und wieder begrüßte er auch mal einen Artgenossen. Dabei konnte ich mir aber absolut sicher sein, dass er nur zu den Hunden geht, die unproblematisch sind und auch ihn begrüßen wollten. Das sind nur ein paar Beispiele für unsere gute Beziehung.

Das einzige Problem, das wir hatten, war seine Verfressenheit. Struppi suchte wirklich alles ab nach Nahrung. Dass er nicht an einem Giftköder gestorben ist, grenzt schon fast an ein Wunder. Leider machte er auch keinen Halt vor den Mülleimern. Und das ist auch fast der einzige Grund, warum ich mir im Nachhinein wünschte, ich hätte mich mit dem Thema Hunde mehr beschäftigt. Denn blöderweise habe ich ihn eine Zeitlang zur Strafe ins Bad eingesperrt. Ja die falschen Ansichten von früher sind nicht an mir vorbeigegangen und ich bereue es!

Nichts besitzt Allgemeingültigkeit

Ebenso bereue ich, dass ich meinen Instinkt nach Struppis Tod beiseite geschoben habe und mich zu sehr auf andere verlassen habe. Denn als mein Angsthund Alex bei mir einzog, war ich völlig verunsichert und habe einiges falsch gemacht, was ich heute noch ausbügeln muss. Bitte nicht falsch verstehen, ich glaube, dass die Hundetrainer von denen ich Tipps bekam, es gut meinten und von ihrer Methode überzeugt sind. Doch bei Problemhunden zeigt sich erst, wie gut eine Methode wirklich ist und selbst dann muss sie nicht bei jedem funktionieren.

Wenn Alex Angst bekommt, will er wegrennen. Einige Zeit war das so schlimm, dass er vor Panik im Dreieck gesprungen ist und mir dadurch schon einmal ein Nerv eingeklemmt wurde. Ich bekam und fand verschiedene Ratschläge für das Problem. Mit super Leckerlis ablenken, ihn ganz kurz nehmen und nicht überholen lassen, Richtungswechsel oder stehenbleiben und warten bis er sich beruhigt. Nur letzteres hat wenigstens für etwas Besserung gesorgt. Auch habe ich für seine Angst verschiedenste Herangehensweisen gefunden: Von ignorieren und ausharren über ablenken war alles dabei. Über jedes Problem lassen sich gefühlt hunderte von Lösungen finden. Die Frage ist aber, welches ist die richtige? Ich bin endlich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht die eine Methode gibt, die alles löst, aber es gibt den einen Weg und das ist der ganz persönliche.

Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden. Edward Hoagland

Klar ich bin keine Hundetrainerin und maße mir auch nicht an, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Allerdings konnte ich auf dem Gebiet einige Erfahrungen sammeln, vor allem wenn es um Problemhunde geht, wie Alex einer ist. Sicherlich gibt es auch einige Hundebesitzer, die andere Erfahrungen gemacht haben und auf eine Erziehungsmethode schwören. Ich will auch nicht sagen, dass keine der Methoden wirkt, sondern nur, dass sie keine Allgemeingültigkeit versprechen. Ich habe bei der „Erziehung“ von Alex vieles falsch gemacht, vor allem weil ich versucht habe Anweisungen von „Experten“ eins zu eins umzusetzen. Doch das funktioniert nicht. Jeder Hund ist anders, genauso wie jeder Mensch. Was bei dem einen funktioniert, kann bei dem anderen schiefgehen.

Deshalb bin ich der Meinung, dass jeder selbst herausfinden sollte, was bei sich und seinem Hund funktioniert und was nicht. Seitdem ich das verstanden habe, geht es stetig bergauf. Natürlich hole ich mir nach wie vor Tipps, indem ich andere um Hilfe frage oder Bücher wälze, und probiere manches aus, aber nicht immer eins zu eins. Ich kenne meinen Hund Alex inzwischen sehr gut und lerne durch genaue Beobachtung immer mehr über ihn. So weiß ich langsam, was bei ihm funktionieren könnte und was nicht oder wie ich den Tipp umgestalten kann, damit er auf meinen Hund passt.

Zwei Hunde, zwei Wege

Dazu sei gesagt, dass ich jede Form von Gewalt in Form von Schlägen, Tritten oder dergleichen ablehne. Mit Misshandlungen erreicht man nur, dass der Hund Angst vor einem hat und das widerspricht meiner Auffassung von einem glücklichen Zusammenleben. Aber das genaue Gegenteil ist auch nicht die Lösung aller Probleme. Wenn ich Alex einen Trick beibringen möchte, greife ich auf positive Verstärkung zurück, indem ich ihn mit Leckerlis belohne. Doch wenn es um sein Jagdtrieb geht, funktioniert das einfach nicht. Wenn Alex ein Reh sieht, das wegläuft, dann kann ich noch das aller tollste Leckerli in der Hand haben, das interessiert ihn in dem Moment nicht die Bohne. Alex will einfach nur hinter dem Reh her und sonst nichts.

Ganz haben wir das Problem zwar noch nicht gelöst, aber wir sind inzwischen soweit, dass Alex wenigstens ansprechbar ist und nicht sofort los sprintet und jault. Aber dafür waren verschiedene Schritte nötig, über die ich ein anderes Mal berichte, und nicht nur eine einzige Methode. Und wie gesagt, nur weil es bei Alex etwas bewirkt hat, heißt das noch lange nicht, dass es auch bei einem anderen Hund funktioniert.

Doch trotzdem gibt es auch in meinen Augen Dinge, die jedem helfen können und für ein glückliches Zusammenleben sorgen. Dazu gehört die körperliche und geistige Auslastung des Hundes, eine gute Beziehung, Vertrauen, den Hund als Individuum zu akzeptieren und dementsprechend zu fördern, sowie die eigene Energie. Immer wieder merke ich, dass wenn ich angespannt bin, ist es Alex auch. Wenn ich Angst habe, hat Alex entweder auch Angst oder er meint, die Dinge regeln zu müssen, indem er zum Rüpel wird. Zugegeben Alex ist auch sehr empfänglich für meine Stimmungen, trotzdem glaube ich und habe auch die Erfahrung gemacht, dass jeder Hund mehr oder weniger auf sein Gegenüber reagiert. Genauso bin ich lockerer geworden seit dem ich Alex Macken zugestehe. Jeder hat irgendwelche Macken oder Eigenarten, warum darf mein Hund dann keine haben? Warum muss mein Hund perfekt sein, ich selbst bin es aber nicht und werde es auch nie sein?

Experten, die mich inspiriert haben

Inzwischen habe ich wieder mehr zu meinem Instinkt gefunden und ich lasse Alex Hund sein. Natürlich haben wir noch einiges zu bewerkstelligen, bis wir so ein Verhältnis haben, wie Struppi und ich es hatten. Doch ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen. Natürlich ist es nicht mein Verdienst allein und auch ich hole mir immer noch Tipps und Anregungen. Erst vor Kurzem habe ich das Buch „Wege zur Freundschaft“ von Ulli Reichmann gelesen, um neue Inspiration für das Problem mit dem Jagen zu bekommen. Allerdings versuche ich inzwischen Methoden nicht mehr streng zu befolgen, hinterfrage sie, modele sie um, sodass sie für mich und Alex passen, und lehne manches ab – auch von Leuten, die mir als Vorbilder dienen. Am meisten habe ich von zwei Menschen gelernt: Cesar Millan und Maike Maja Nowak.

Vor allem Millan muss viel Kritik einstecken und wird nicht selten als Tierquäler bezeichnet. Aber wie ich schon an anderer Stelle einmal geschrieben habe, finde ich erstens nicht alles gut, was er macht, und zweitens kann man, meiner Meinung nach, von ihm sehr viel lernen. Zum Beispiel wie wichtig die Auslastung ist, das Hunde auch Disziplin benötigen, nicht im Sinne von Härte, sondern einfach Regeln. Auch wir müssen uns an Regeln halten, damit die Welt mehr oder weniger funktioniert, warum also nicht auch Hunde? Das Wichtigste, das ich von Cesar Millan gelernt habe, ist, wie wichtig die eigene Energie ist. Es gibt aber noch das ein oder andere, was man von ihm erfahren kann, wobei seine Bücher deutlich besser dafür geeignet sind als seine Serien.

Mein Wunsch: Mit vier Hunden entspannt durch die Gegend laufen

Durch Maike Maja Nowak habe ich wahnsinnig viel über das Verhalten von Hunden gelernt. Ich weiß nicht, ob ihre Idee von den einzelnen Rudelpositionen stimmt und jeder Hund sich einordnen lässt, aber ich teile ihre Meinung, dass es Hunde gibt, die eher ein Entscheidungsträger sind und welche, die sich besser als Mitarbeiter eignen. Das Gleiche gibt es bei uns Menschen ja auch. Die einen eignen sich als Chef und die anderen eben nicht. Außerdem habe ich von Nowak viel darüber gelernt, wie Hunde miteinander kommunizieren, dass man sie ihren Bedürfnissen und Eigenschaften entsprechend fördern und fordern sollte sowie einiges mehr. Irgendwann möchte ich gerne wie sie mit vier Hunden entspannt durch die Gegend laufen.

Ich wünschte ich hätte mich gleich zu Beginn mit den beiden beschäftigt anstatt viel Zeit und Mühe in andere Wege zu investieren. Dann hätte ich einige Fehler vermieden und Alex und mir wäre mancher Frust erspart geblieben.

Zwar bin ich auch sehr kreativ, aber vor allem auch sehr rational. In meinem Kopf rechne ich mir beispielsweise ständig Wahrscheinlichkeiten aus, analysiere alles und gehe häufig logisch vor. Doch in Sachen Hundeerziehung hilft das meiner Meinung nach nur bedingt weiter. Das Wichtigste ist der eigene Instinkt. Leider werden wir von klein auf darauf getrimmt, diesen beiseite zu schieben. Vielleicht ist er bei mir ausgeprägter als bei anderen, aber auch ich hatte ihn teils verloren und bin immer noch dabei ihn wiederzufinden. Ich glaube, das kann jeder und er sollte es auch, wenn er für sich und seinen Hund das Beste herausholen will. Gepaart mit zusammengefasst feiner Beobachtung, Bedürfnisse erfüllen, Auslastung, Regeln, Eigenschaften fördern sowie fordern steht der fast perfekten Beziehung nichts im Wege. Allerdings sollte das jeder auf seine Art und Weise tun. Nur der eigene Weg, kann der richtige sein.

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