Schlaflos im Zelt mit Hund und Happy End

Wie war das noch mit den selbsterfüllenden Prophezeiungen?! Schon im letzten Jahr (2024) wollte ich das Mikroabenteuer mit Hund umsetzen: im Garten zelten. Doch ich habe es immer wieder aufgeschoben und schwups war es wieder zu kalt dafür. Auch in diesem Jahr schob ich es immer wieder auf. Keine Lust, zu viel Aufwand, was die Nachbarn wohl denken, zu kalt, ich fand immer irgendeine Ausrede. Dabei ist es ja eigentlich kein Akt. An diesem Wochenende zauderte ich wieder mit der Zeltnacht. Beinahe wäre es dieses Mal ebenfalls beim reinen Vorhaben geblieben. Doch abends gebe ich mir spontan noch einen Ruck. Wenn nicht jetzt, wann dann?!

Ich bin eh viel zu faul geworden – grundsätzlich, aber insbesondere was Abenteuer anbelangt. Außerdem mache ich das Mikroabenteuer mit Hund auch für die erste gedruckte Ausgabe von „Hund im Gepäck – das Magazin“ (mehr übers Magazin erfährst Du hier). Also hole ich Zelt und Isomatte aus dem Auto. Die ersten Heringe verschwinden wie ein Messer in weicher Butter. Erst auf den letzten Zentimetern stoppen sie abrupt und mein Fuß muss nachhelfen.

Noch immer fehlt der Gummihammer

Manch Hering, der das Oberzelt befestigen soll, wehrt sich hingegen massiv. Meine mit Flipflops besohlten Füße kommen da auch nicht weit. Jedes Mal ärgere ich mich beim Zelten mit Hund, dass ich nicht endlich einen „Gummihammer“ gekauft habe. Ich könnte einen richtigen aus dem Haus holen? Ach nee, zu faul. Also ziehe ich den Hering wieder raus und probiere es ein paar Zentimeter weiter vorne im Gras. Nun fügt sich der bereits malträtierte Hering, aber nur bis zur Hälfte. Seine leichte Krümmung von meinen letzten Zeltabenteuern mit Hund ohne Hammer macht es nicht einfacher. Mit aller Kraft presse ich ihn noch ein Stück tiefer in den Boden. Ganz will er nicht verschwinden, aber mir reicht es. Schließlich wollen mein Hund und ich nur eine Nacht im Zelt schlafen. Für dieses Mikroabenteuer mit Hund wird es schon reichen.

Die Nachbarin kommt durchs Gartentor, um sich um die Katze meiner Vermieter zu kümmern. Kurz frage ich mich, was sie wohl über mich und mein Vorhaben denkt? „Ach Ihr wollt zelten?“, fragt sie mit einer Selbstverständlichkeit, die meine komischen Gedanken im Keim ersticken. Wann habe ich bitte angefangen, mich damit zu beschäftigen, was andere denken? Menschen denken doch meistens gar nicht so viel über andere nach, sondern die meiste Zeit an sich beziehungsweise ihr Leben. Damit sind diese Gedanken erst recht total überflüssig und egal. Früher war es das für mich auch, warum jetzt nicht mehr? Ich finde keine Antwort, weil Herr Hund mir schon wieder einen kleinen Schreck einjagt. Das passiert seit unserer Serie an Tierarztbesuchen regelmäßig.

Futterumstellung nach dem Check-up beim Tierarzt

Mit einem Check-up geht es los. Die Ergebnisse des großen Blutbildes und der Pankreaswerte bringen die Diagnosen Bauchspeicheldrüsenentzündung und Niereninsuffizienz. Schon vor dem Ergebnis bin ich mit den Nerven am Ende, weil während des Ultraschalls des Bauches unter anderem der Begriff Cushing fiel. Auch wenn es hieß: „Er sieht NICHT aus wie ein Cushing-Hund“ beschert mir das einige Heulkrämpfe. Die beiden Diagnosen machen es nicht besser – im Gegenteil. Mit der Unterstützung von Zissi von „Rosa & Kala – vom Tierheim ins Abenteuer“, die einen Spendenaufruf startete, und von Stephanie Rose von Canis Vivus, die für Alex einen Futterplan erstellt, um unter anderem seine Nieren zu entlasten, fällt der Druck und die Sorgen nehmen ab. (Vielen lieben Dank an alle, die uns auf welche Art auch immer unterstützt haben und auch weiterhin für uns da sind!!!) Nur um durch Herrn Hund stetig aufrecht erhalten zu werden.

In Kürze: Cushing beim Hund

Beim Cushing-Syndrom/Morbus Cushing handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der zu viel Kortisol im Körper produziert wird. Das kann durch die Gabe von Kortison verursacht werden. Als Ursache kommen beim Hund aber noch zwei andere Dinge dafür in Frage: In 80 bis 85 Fälle wird der Cortisol-Überschuss durch einen Tumor in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgelöst. Dieser ist meistens gutartig. In 15 bis 20 Prozent der Fälle sorgt ein Tumor an einer der beiden Nebennieren für den Überschuss an Kortisol. In diesem Fall besteht eine Chance von 50 zu 50, dass der Tumor gut- oder bösartig ist. Das Cushing-Syndrom beim Hund kann verschiedene Symptome auslösen. Dazu gehören unter anderem vermehrtes Trinken, Fressen sowie Urinieren, die Haut wird dünner, Haarausfall, die Muskeln bilden sich zurück und der Hund wird schwächer. Am auffälligsten ist die Stammfettsucht, die für einen tonnenartigen Bauch sorgt. Es sind aber noch andere Symptome möglich und es müssen auch nicht alle auftauchen. Die Diagnose ist über bestimmte Funktions-/Bluttests (und Ultraschalluntersuchungen) möglich. Die Behandlung sowie Prognose richten sich nach der Ursache. Ein Nebennierentumor kann von einem Spezialisten im besten Fall operativ entfernt werden. Ansonsten wird meist mit Medikamenten die Cortisolproduktion verringert und ggf. Begleiterkrankungen behandelt. *

Beim ersten Kontrolltermin beißt Alex erstmals in seinem Leben zu. Denn vermutlich erleidet er blöderweise, aber natürlich völlig unbeabsichtigt, Schmerzen. Allein das ist schon für mich eine traumatische Erfahrung, die mich sehr schockiert und überfordert. Natürlich reicht das nicht aus. Die Tierärztin hatte kurz zuvor ein Gewächs in Alex Bauch entdeckt, das da nicht hingehört. Aufgrund des Bisses müssen wir die Untersuchung abbrechen und verschieben, sodass wir bei dem Termin nicht mehr erfahren. Noch am selben Tag knallt mein Hund Alex mit seinem Hinterbein volle Kanne gegen eine Mauerkante mit dem Ergebnis, dass er erst einmal dreibeinig im Garten steht. Glücklicherweise nur für kurze Zeit und der nächste Tierarztbesuch bleibt erst einmal aus. Dafür ruft die Tierärztin ein paar Tage später an.

Panikattacke auf der A4

Die Kontrollergebnisse des Blutes zeigen keine Verbesserungen der Bauchspeicheldrüse und es fällt ein unschöner Verdacht: Bauchspeicheldrüsentumor* (selten, häufig bösartig). Auf dem Nachhauseweg rollen mir deswegen nicht nur die Tränen wie aus Eimern über die Wangen, nein, ich fange mitten auf der A4 hinter dem Steuer an zu hyperventilieren. Panikattacke. Später stellt sich der Verdacht glücklicherweise als falsch heraus. Die Kontrolle bringt aber leider auch keine Klarheit – nur Vermutungen. Als irgendwann der Begriff Lymphom* (bösartig und oft sehr aggressiv) fällt, bin ich schon gelassener und/oder abgestumpfter, sodass die nächste Panikattacke und ein extremer Heulanfall ausbleiben. Aufschneiden und nachschauen sowie ein MRT kommen weder für die Tierärztin noch für mich infrage. Ich möchte aber nicht einfach abwarten, das Beste hoffen und stets das Schlimmste befürchten. Deshalb vereinbare ich einen Termin in der Onkologie der Tierklinik Hofheim. Vielleicht bringt uns das weiter!? Bis dahin heißt es, vier Wochen warten. Und Herr Hund hört nicht auf.

Ein Tag nach dem letzten Besuch in der Tierarztpraxis kommt er die Treppe nicht mehr hoch, knickt mit seinem Hinterteil gänzlich weg und kann sich nicht mehr auf den Beinen halten. Kurz denke ich, sein letztes Stündlein hat geschlagen. Meine Freundin Anie beruhigt mich am Telefon. Zum Glück kommt Alex wieder auf seine Pfoten und wir können auf einen nächtlichen Klinikbesuch verzichten. Es vergehen eine Handvoll Tage, bis zur nächsten Sorge. Bei einer kleinen Abendrunde knickt Alex mehrfach mit seinem linken Vorderbein weg. Aus Angst, dass er gänzlich zusammenbricht, drehen wir wieder um. Den Rückweg durch den Garten kann er aber glücklicherweise wieder im Galopp zurücklegen.

Alarmstufe rot: Alex frisst nicht

Am nächsten Tag will der Herr Nimmersatt zum ersten Mal eine seiner Mahlzeiten nicht fressen. Bei vielen Hunden ein Alarmsignal – gerade bei nierenkranken Hunden. Bei Struppi, meinem vorherigen Hund, fing es so an und zwei Wochen später musste ich ihn leider einschläfern lassen. Glücklicherweise schien Alex nur die Eibischwurzel nicht mehr zu schmecken, die er für seine chronische Gastritis bekam. Dosenfleisch mit Nudeln verschwinden hingegen in wenigen Sekunden in seinem Hundemagen.

Nach dem Motto „je oller, je doller“ bricht er mit lächelnder Hundeschnauze zweimal aus dem Garten aus. Einmal musste ich ihn sogar auf der Straße einsammeln. Es kommt mir fast so vor, als ob er meine Sorgen mit Absicht auf Trab hält (ich weiß natürlich, dass dem nicht so ist). Als Nächstes frisst er rohe Kartoffeln, die für Hunde giftig sind. Auch das geht glücklicherweise gut aus und ohne erneuten Tierarztbesuch. Ansonsten fiept er seit einiger Zeit nach dem Abendessen und zeigt Unwohlsein, was eigentlich auf alle seine gesundheitlichen Probleme zurückgeführt werden kann. Vielleicht haben wir jetzt eine Lösung, aber ich bin nur vorsichtig optimistisch. Ansonsten heißt es wohl doch wieder: Ab zum Tierarzt. (Update: Es scheint tatsächlich an zwei Dingen zu liegen: Zum einen an einer Untersäuerung und zum anderen spielt die Konditionierung eine Rolle, also ist es auch „antrainiert“.)

Abgestumpft oder gelassener?

Zurück zum Zelt. In diesem Moment rennt Alex los. Blöderweise ist mein Hund an der Leine, die wiederum statt am Geschirr am Halsband befestigt ist. Sein Hundekörper durchfährt leider ein Ruck und sein Kopf dreht sich unfreiwillig zur Seite. Glücklicherweise schreit Alex weder auf noch scheint er anderweitig verletzt. Trotzdem bin ich schon wieder etwas bedient. Wobei ich gestehen muss, nach all den Vorfällen der letzten drei Monate schreit mein Nervensystem zwar kurz Alarm, aber ich reagiere auf jedes neue „Drama“ weniger intensiv.

Nach den ersten Diagnosen habe ich noch im wahrsten Sinne Rotz und Wasser geheult. Panikattacken gab es wie erwähnt auch. Mittlerweile macht mein Herz meist nur noch einen großen Satz und dann sacke ich innerlich etwas zusammen. Ich stumpfe halt immer mehr ab. Vielleicht haben sich unter anderem auch meine regelmäßigen Entspannungstechniken bewährt und mich gelassener gemacht, wie Atemübungen, Qigong, Klopfen (EFT)* und Schütteln (neurogenes Zittern und Embodiment*)?! Vielleicht auch eine Mischung aus beidem? Egal, so oder so ist es für meine Gesundheit vermutlich besser.

Atemübungen zum Beruhigen: Um mein Nervensystem herunterzufahren, nutze ich je nach Gefühl eine von zwei Atemübungen. Bei der ersten zähle ich während des Einatmens bis vier und während des Ausatmens bis 6. Das wird mehrmals wiederholt. Bei der zweiten atme ich auf vier ein, halte den Atem für sieben Sekunden und atme dann auf acht aus. Auch das wiederhole ich mehrmals.

Die Nachbarin sagt noch, dass es erst am nächsten Tag regnen soll, und wünscht uns eine gute Nacht. Ich drücke die letzten Heringe in den Boden. Dann sauge ich meinen Körper mit Luft voll, bis sich meine Organe und meine Haut nicht mehr weiter spannen können. Mit einem kräftigen Druck gebe ich die Luft wieder ab an das Ventil meiner Isomatte. Alex liegt wieder neben mir. Sein großes Hundebett liegt bereits im Zelt. Meine dünne Matte wirkt im Vergleich dazu sehr mickrig. Irgendwie stimmen die Verhältnisse nicht, aber was soll`s. Für den Hund meist das Beste. 😉 Jetzt nur noch das Laken, das Kissen und die Decke – fertig.

Genug Grusel im Kopf

Ich bin überrascht: So bequem hatte ich meine Isomatte gar nicht in Erinnerung. Geschweige denn, dass sie danach aussieht. Schließlich bleibt sie selbst nach dem Aufblasen recht dünn. Vielleicht zwei Zentimeter. Ich hatte sie vor bestimmt über zehn Jahren für knapp 10 Euro bei Jysk gekauft (ehemals Dänisches Bettenlager). Es ist eigentlich eine sich selbst aufblasende Isomatte, aber das funktioniert nur bedingt. Es vergingen Jahre, bis ich endlich mal auf die Idee kam, sie zusätzlich noch manuell weiter aufzupusten. Das hätte mir manch unbequeme Nacht im Zelt erspart. Nun gut, besser spät als nie, denke ich, während sich meine Füße von der dicken Winterdecke befreien. Mir ist viel zu warm, aber ich liebe meine riesige Decke. Im Schlafsack fühle ich mich zu gefangen und den nehme ich meist nur, wenn ich mehrere Nächte mit Hund zelte.

Mein Hund Alex liegt so bequem wie immer in seinem riesigen Bett. Seinen Hundekopf und sein Hinterteil drückt er an die hochstehenden Wände. Das macht er oft, obwohl er noch so viel mehr Platz hätte. Aber vielleicht gibt ihm das einfach Halt, Sicherheit oder er findet es schlichtweg gemütlich. Mein Kopf rattert mal wieder. Nur stückchenweise bekomme ich die Worte der Frauenstimme mit, die mir das Buch „Die kleine Villa in Italien“ von Julie Caplin vorliest. Irgendein Roman, den ich einfach ausgewählt habe, weil ich nicht in der Stimmung für einen Krimi bin. Auch „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ von Walter Moers ist mir für unser erstes Zeltabenteuer seit Jahren doch etwas zu gruselig. Bei dem Hörbuch bin ich noch am Anfang und da geht es viel ums Gefressenwerden. In meinem Kopf gibt es aber schon genug Grusel.

Was, wenn es ein unheilbarer, bösartiger Tumor ist und Alex nur noch Monate bei mir bleibt? Was, wenn er die Fertigstellung des Magazins nicht mehr miterlebt? Will ich dann wirklich weitermachen? Ich drehe mich vom Bauch auf die Seite. Kann ich das überhaupt? Warum gebe ich das nicht doch schon jetzt alles auf? Aber was dann? Einfach irgendeinen Job als Angestellte annehmen? Auf gar keinen Fall! Dass das nichts für mich ist, habe ich doch schon mehrfach erlebt.

SCHLAFENSZEIT!!!

Ich drehe mich auf die andere Seite. Aber „Hund im Gepäck“ ohne Alex finde ich auch mehr als Scheiße! Klar, irgendwann wäre es vielleicht okay, aber nicht, bevor es richtig läuft. Und dann soll ja auch Alex noch eine Zeit davon profitieren, dass ich nicht mehr für andere Jobs ohne ihn weg muss, sondern unser Leben allein damit finanzieren kann. „Jetzt ist nicht die Zeit für diese Entscheidung: Schlafenszeit!“, brüllt eine Stimme in mir. Und ich drehe mich wieder auf den Bauch.

Der Schlaftimer hat das Hörbuch mittlerweile beendet. Meine Gedanken kommen langsam zur Ruhe. Während sich mein Bauch in die Isomatte drückt, höre ich fremde Stimmen und sehe die ersten komischen Gesichter. Ich nehme noch das Zelt wahr, aber verschwinde langsam in der Traumwelt. Fast. Denn dann ertönt neben meinem Kopf ein Schmatzen. Ich versuche es zu ignorieren, aber das gelingt mir gerade mal für drei Sekunden. Dann bin ich wieder hellwach.

Noch nicht ganz weg, schon wieder aufgeschreckt

Ich drehe mich wieder auf die Seite und hebe den Kopf. „Alles okay?“, frage ich Alex. Schmatzen kann beim Hund einfach ein Zeichen von Entspannung und Gemütlichkeit sein, aber eben auch für Übelkeit und/oder Schmerzen. Also lausche ich den Geräuschen und schaue, ob Alex noch andere Probleme zeigt. Nichts. Also lege ich mich wieder hin. Mein Kopf bleibt aber natürlich wieder an und arbeitet auf Hochtouren. Mittlerweile klappt es ganz gut, dass ich den negativen Gefühlen und Gedanken eine Weile Raum gebe und mich dann wieder auf das Gute sowie Schöne konzentriere. In dieser Nacht im Zelt klappt das leider nicht.


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Was, wenn es Alex schlecht geht und wir gleich raus müssen? Was, wenn diese Zeltnacht doch zu viel Stress für ihn ist? Er hat sich ja leider noch nicht von den vier Tierarztbesuchen in kurzer Zeit erholt. Ich drehe mich wieder auf den Bauch. „Dann stehe ich eben auf und gehe mit ihm raus oder zur Not zurück ins Haus“, beruhigt mich meine vernünftige, pragmatische Stimme. Der Teil in mir macht immer wieder einen harten Cut. Leider hält der nicht lange an. Wieder kommt mir ein Titel für einen Artikel in den Kopf: „Wie das Wort Tumor seinen Schrecken verlor“. Schlusssss!!! Schreie ich mir innerlich zu. Nachher beschwöre ich das damit herauf. Die schlaflose Nacht im Zelt scheint sich ja auch zu erfüllen.

Schlagzeilen im Kopf werden real

In der ersten gedruckten Ausgabe von „Hund im Gepäck – das Magazin“ wird es einen Artikel über Mikroabenteuer mit Hund geben. Ziemlich schnell war klar, dass dazu das Zelten mit Hund im Garten gehört. Ich möchte ein paar der Mikroabenteuer mit Hund näher beschreiben oder besser gesagt unsere Erlebnisse und Empfindungen dabei, um nicht nur eine allgemeine Auflistung zu haben, sondern den Leser mitzunehmen. Zusätzlich möchte ich den Artikel auf dem Blog veröffentlichen. Was soll ich darüber aber schon groß schreiben? Das ist ja erstens nichts Außergewöhnliches und zweitens haben mein Hund und ich schon oft zusammen gezeltet.

Und zack schießt mir eine Überschrift in den Kopf: „Schlaflos im Zelt“. Darüber könnte ich natürlich schreiben, aber ich hatte allein in den letzten 15 Monaten so viele schlaflose Nächte, dass ich nicht noch eine brauche und erst recht nicht nur, um darüber schreiben zu können. Und nun!? Liege ich schlaflos im Zelt neben meinem Hund. War das geplant? Nein! War das gewollt? Absolut nicht! Habe ich es selbst zu verantworten? Wenn es nach den selbsterfüllenden Prophezeiungen geht, auf jeden Fall. Kurz gefasst: Denn demnach beeinflussen wir mit unseren Erwartungen und unbewussten sowie bewussten Handlungen das Ergebnis.

Nein, nein und nochmals nein, denke ich, während ich mich erst vom Bauch auf die rechte Seite drehe und dann auf die linke. Schluss! Jetzt wird endlich geschlafen. Ich konzentriere mich auf meine Atmung und meinen Körper. Schiebe jeden neuen Gedanken wieder beiseite. Es ist nicht einfach, aber langsam aber sicher fahren mein Körper und mein Kopf die Arbeit herunter. Der Dämmerzustand setzt ein. Und zack ist alles hell. Nur für wenige Sekunden, aber selbst vor meinen geschlossenen Augen leuchtet es. Ich warte. Nach mehr als zehn Sekunden ertönt das Poltern des nahenden Gewitters. Mein Kopf ist als erstes hellwach oder vielleicht doch Alex?

Bei Blitz und Donner Pfote halten

Er schaut auf. Wirkt schon etwas beunruhigt. Wieder erhellt ein Blitz das ganze Zelt. Alex Hundekörper presst sich an die Wände seines Hundebettes. Er fängt etwas an zu hecheln. „Alles ist okay“, sage ich zu ihm, auch wenn ich weiß, dass das nicht hilft. Meine Hand wandert zu seiner Pfote, wo sie für die nächsten Minuten bleibt. Einfach Pfote halten, um Alex bei seiner Angst zur Seite zu stehen. Wieder rumpelt es. Sollten wir vielleicht doch ins Haus gehen? frage ich mich. Es klopfen die ersten Regentropfen aufs Zeltdach. Erst langsam, dann immer schneller. Wir warten noch ein bisschen ab. Vielleicht kommt das Gewitter ja gar nicht direkt bei uns an. Alex hat seinen Kopf abgelegt, das zeigt mir, dass sich seine Angst in Grenzen hält. Meine Hand bleibt aber noch auf seiner Pfote.

Wenn ein Blitz in den Kirschbaum einschlägt, fällt der dann auf unser Zelt oder ist der Abstand groß genug? Müssen wir nachher im Regen mit Decke und Hundebett zurück ins Haus? Es sind zwar nur etwa zehn bis fünfzehn Meter, aber sind wir dann nicht klatschnass, falls es schüttet? Verursacht der Stress bei Alex wieder Durchfall? Er wiegt doch eh noch eineinhalb Kilogramm weniger als früher. Mein Kopf gibt wieder Vollgas. Um Alex nicht noch mehr zu stören, versuche ich, mich nicht mehr hin und her zu wälzen, während meine Hand seine Pfote hält. Mittlerweile ist es nach 2 Uhr. Um 6:45 Uhr klingelt der Wecker. Oh Mann, hoffentlich bekomme ich noch ein bisschen Schlaf. Wieso mache ich diesen Quatsch eigentlich? Vielleicht sollte ich das doch alles lassen. So geht es „fröhlich“ weiter mit meinen Gedanken. An den letzten erinnere ich mich allerdings nicht mehr.

„Der Moment, der dir ein Lächeln schenkt“

Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich mir die Decke über die Augen ziehe, weil die Morgensonne mich blendet. Es dauert noch einige Minuten, bis ich den Augenschutz beiseiteschieben kann und noch länger, bis tatsächlich mein Wecker klingelt. Schlaftrunken und erschöpft. Ich weigere mich, wach zu werden, aber mein Körper sieht das anders. Ich blinzele unter meiner Decke hervor. Alex schaut aus seinem Hundebett auf mich hinab. Meine Hand macht sich auf den Weg zu seinem Kopf. Meine Finger kraulen seine Ohren, seine Stirn und um seine schönen bernsteinfarbenen Hundeaugen herum. Er presst sich gegen meine Hand und positioniert seinen Kopf immer wieder um, sodass ich auch ja die Stelle kraule, die er möchte. Ich habe mir bereits die Decke vom Kopf gezogen. Die Sonne blendet nicht mehr, aber das Zeltinnere bleibt hell.

Alex scheint mich anzulächeln und genießt das morgendliche Kuscheln. Ich auch. Mein Inneres weitet sich und wird von einer wohligen, liebevollen Wärme durchflutet. Und jetzt weiß ich, warum ich dieses Mikroabenteuer mit Hund gemacht habe. Nicht für den Blog oder das Magazin. Es ist das, wovon die Band Madsen schon vor Ewigkeiten sang: „Der Moment, der dir ein Lächeln schenkt.“ Und er tut noch mehr als das. Dieser innige, freudige Moment des Zusammenseins, während die Vögel munter durcheinander trällern. Das macht all die Sorgen sowie die gesamte schlaflose Nacht im Zelt mit Hund vergessen. Das ist ein wahrer Glücksmoment mit meinem Hund, für den ich unfassbar dankbar bin!

Update: Bei unserem Termin in der Tierklinik Hofheim stellte sich glücklicherweise heraus, dass das „Ding“ in Alex Bauch weg ist! 🙂

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