Frankreich und Hunde

Mein Hund Alex und ich fahren nach Frankreich. Zwar gehört das Land zur Europäischen Union, aber wie heißt es doch so schön „andere Länder andere Sitten“. Deshalb habe ich vorab die Einreisebestimmungen für Hunde gecheckt.

Als ich unseren Trip gebucht habe, hatte ich mir eigentlich kaum Gedanken gemacht über die Einfuhr von Alex. Erst kurz vorher habe ich mal ein bisschen recherchiert. Und ich muss sagen, Frankreich ist nicht ganz ungefährlich für Hunde, denn auch hier dürfen die Behörden im Zweifelsfall ein Tier beschlagnahmen und töten. Das gilt natürlich nur für bestimmte Rassen und deren Mischlinge. Also die Franzosen sind in diesem Punkt auch nicht schlauer als die Deutschen. Meiner Meinung nach, sind nicht bestimmte Hunderassen das Problem, sondern deren Halter.

Wobei auch ich muss gestehen, dass wenn wir auf so einen Listenhund treffen und Alex pöbelt, habe ich immer etwas Bedenken. Denn ein Staffordshire Terrier ist meinem kleinen Schisser auf jeden Fall körperlich überlegen und auch die Beißkraft ist nicht vergleichbar. Doch trotzdem finde ich dieses Einfuhrverbot ziemlichen Quatsch. Nun gut, ich kann es nicht ändern. Bestimmte Hunde dürfen nun eben einfach nicht die französische Grenze überschreiten.

Einteilung in Kategorien

Unsere Nachbarn unterscheiden zwei Kategorien. Zu der Kategorie 1 gehören alle, die folgenden Rassen ähnlich sehen:

  • Typus American Staffordshire (Pit-Bulls) (ohne Stammbucheintragung)
  • Typus Mastiff (Boer-Bulls),
  • Typus Tosa (ohne Stammbucheintragung)
  • Kampfhund“-Mischlinge

Wer dennoch einen dieser Hunde einführt, muss mit Strafen und Beschlagnahmung des Tieres rechnen. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Hund zu einer dieser Rassen gehört, benötigt eine Bescheinigung eines vereidigten Tierarztes. Dieses Zertifikat muss bestätigen, dass der Hund nicht zu einer dieser Rassen gehört und es muss für die französischen Behörden verständlich sein. Also am besten solte es von einem vereidigten Übersetzer ins Französische übersetzt sein. Auf der Internetseite der französischen Botschaft gibt es ein PDF, das genaue Angaben zu den Merkmalen der Hunde enthält.

Zu der Kategorie 2 gehören:

  • Typus American Staffordshire und Tosa mit Stammbaum
  • Rottweiler und ähnliche Hunde (mit und ohne Stammbaum)

Die Halter solcher Hunde müssen mehrere Bedingungen erfüllen. Die französische Botschaft schreibt auf ihrer Internetseite, dass die Bedingungen für einen kurzen Aufenthalt kaum zu erfüllen seien, da die meisten Nachweise und Gutachten in Frankreich absolviert werden müssen. Außerdem rät die Botschaft davon ab nach Frankreich zu fahren, wenn sich Halter und Tierarzt unsicher sind, ob nicht eine der Kategorien zutreffen könnte.

Laut dem Tourismuportal Atout France bedarf es eines Abstammungsnachweises, der besagt, dass der Hund zur zweiten Kategorie gehört. Außerdem muss das Tier stets einen Maulkorb tragen, darf nicht in öffentliche Verkehrsmittel und Einrichtungen und darf nicht von jemandem an der Leine geführt werden, der unter 18 Jahre alt ist.

Ich persönlich vertraue ja mehr der Botschaft, aber ich habe auch noch etwas weiter recherchiert. Doch auch auf anderen Internetseiten unterscheiden sich die Angaben immer etwas, deshalb ist es sicherlich ratsam vorher bei den Behörden nachzufragen und bei Bedenken lieber nicht in das Land des Weines und Baguettes zu fahren.

Einreisebstimmungen für alle anderen Hunde

Dobbermänner und deutsche Doggen fallen im Übrigen weder in die erste noch in die zweite Kategorie.

Alex ist ein Mischling, der höchstwahrscheinlich mit einem Schäferhund, einem Husky und irgendeiner Windhundrasse verwandt ist. Wenn man ihn sieht, denkt man ganz bestimmt nicht an einen Listenhund, aber ob das schützt, weiß ich nicht. Denn sicherlich gibt es überall Beamte, die willkürlich handeln. Ich hoffe natürlich, dass wir nicht auf solche treffen. So brauch ich für Alex nämlich nur folgende Regeln einhalten:

  • er muss einen europäischen Heimtierausweis besitzen
  • eine genaue Identifizierung muss möglich sein via Mikrochip oder Tätowierung (letztere ist nur gültig, sofern diese gut leserlich ist und vor dem 3. Juli 2011 durchgeführt wurde)
  • eine gültige Tollwutimpfung, die älter als 21 Tage sein muss, aber nicht länger als 1 Jahr her sein darf (drei Jahresimpfungen werden akzeptiert, sofern der Impfstoff im Pass festgehalten wurde)
  • der Hund darf nicht jünger als drei Monate alt sein

Mehr als fünf Tiere dürfen nicht mit nach Frankreich genommen werden. Und wer länger als drei Monate bei unseren direkten Nachbarn verbringen möchte, muss seinen Hund in ein Register eintragen lassen.

Insgesamt gilt Frankreich als sehr hundefreundlich und gerade in ländlichen Regionen soll man häufig auf Hundebesitzer treffen, die meist ihre Hunde freilaufen lassen. In Wäldern soll aber trotzdem Vorsicht geboten sein, weil insbesondere am Wochenende viele Jäger unterwegs sein sollen. Laut Statista gab es 2016 in Frankreich die meisten Jäger in den ausgewählten Ländern Europas. Mit 1.331.000 Jägern liegen unsere Nachbarn ganz vorne, Deutschland ist 2016 mit 351.000 auf Platz fünf.

In Sachen Leinenpflicht entscheiden generell aber die einzelnen Kommunen. So kann es durchaus sein, dass in einem Ort der Hund freilaufen darf und in dem anderen nicht. Vor der Reise kann das aber bei den zuständigen Behörden erfragt werden.

Baden mit Hund

An Stränden sind unsere vierbeinigen Freunde meist verboten. Außerhalb der Saison werden sie aber oft geduldet, sofern sie keinen stören und angeleint sind. Es gibt auch einige ausgewiesene Hundestrände, die bei Plages.tv zu finden sind. Zusätzlich schadet es nicht stets die Augen aufzuhalten und auf Hinweisschilder zu achten.

U-Bahn oder Bus fahren dürfen alle kleinen Hunde, die in eine Transporttasche passen, und das in der Regel kostenlos. Für größere Exemplare muss meist die Hälfte einer Erwachsenenfahrkarte bezahlt werden. Einen Maulkorb dabei zu haben, kann dann auch nicht schaden, da er zum Beispiel in Zügen für größere Hunde oft Pflicht ist. Taxen sollen hingegen nur Blindenhunde mitnehmen.

Essen gehen mit Hunden soll in der Regel auch kein Problem sein. Natürlich sofern sie angeleint sind und niemanden belästigen. Also auch hier sollte man stets auf Hinweisschilder achten, die etwas anderes sagen.

Für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, ist meiner Meinung nach immer ratsam. Die wichtigsten Telefonnummern für einen Notfall sollten also dabei sein.

Notarzt und Krankenwagen: 15

Polizei: 17

Feuerwehr: 16

Zusätzlich gilt auch in Frankreich die europäische Notfallnummer 112.

Ich schaue immer zusätzlich im Internet noch nach Tierärzten, die eine Praxis in der Nähe haben. Schließlich weiß man nie und sicher ist sicher. Es gibt sogar an einigen Orten deutschsprachige Tierärzte. Eine Liste kann man für 10 Euro im Internet kaufen („Frankreich Wegweiser für den Hundefreund“). Erfahrungen habe ich damit allerdings keine, denn die Karte zeigte mir keinen Tierarzt in der Nähe unseres Zielortes, deshalb entschied mich gegen den Kauf. Vielleicht hat ja einer von Euch Erfahrungen damit, dann lasst sie hören.

Vorsicht vor Krankheiten in den Mittelmeeregionen

Wer mit seinem Hund nach Frankreich fahren möchte, sollte die Region und die Jahreszeit im Blick behalten. Denn es gibt kein einheitliches Klima. So wartet der Süden mit meist trockenen und heißen Sommern auf. Am Atlantik erwartet die Urlauber ebenfalls viel Sonne und im Sommer eher wärmere Tage. Im Norden ist es vergleichsweise etwas kühler, vor allem im Winter. Schnee liegt aber hauptsächlich in den Pyrenäen und den Alpen. Die Bretagne ist die verregneteste Region.

Im Juli und August sind in Frankreich meist Ferien und wer nicht gerade in den Urlaubstrubel kommen möchte, sollte sich einen anderen Monat für seine Reise aussuchen.

Ein weiterer Punkt, der nicht vernachlässigt werden sollte, ist das Thema Gesundheit. Denn in den Mittelmerrregionen der Côte d’Azur, insbesondere im Rhône-Delta und in den Sumpfgebieten der Camargue, kann es nicht selten zu einer Übertragung von verschiedenen Krankheiten durch Mücken und Würmer kommen wie zum Beispiel Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose und Herzwurmerkrankungen. Eine vorherige Rücksprache mit dem Tierarzt und gegebenenfalls Präventionsmaßnahmen sind auf jeden Fall ratsam.

Der Text basiert zwar auf gründlicher Recherche sowie vor Ort Erfahrungen und ich aktualisiere den Beitrag, wenn ich neue Informationen erfahren sollte, aber es ist trotzdem nie verkehrt vor der Reise bei den zuständigen Behörden nachzuschauen oder anzurufen, da sich Gesetze auch gerne einmal ändern.

 

Falls Ihr auch noch ein paar Tipps für einen Urlaub mit Hund in Frankreich habt, dann freue ich mich auf Eure Kommentare!

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