Entspannung im Rhein

Ich bin gerne unterwegs, entdecke neue Orte, bin aktiv und brauche viel Abwechslung. Je mehr kleine und große Abenteuer ich erleben kann, umso besser und wenn dann noch mein Hund Alex mit dabei ist – einfach perfekt. Doch zwischendurch muss es auch mal ruhiger zugehen. Einfach an einem Ort verharren, die Umgebung genießen und sein – so wie in Liechtenstein. 

Alex und ich verlassen unsere Unterkunft das Landgasthaus Rössle in dem Liechtensteiner Ort Ruggell. Wir schlendern ein Stück auf dem kleinen Deich am Binnenkanal entlang. Alex ist genauso entspannt wie ich und zieht heute das Schlendern dem Rennen vor. Auch wenn wir so gemächlich unterwegs sind, haben wir dennoch ein Ziel oder zumindest ich. Mein Hund Alex weiß noch nichts von seinem Glück. Und wenn, würde er es so überhaupt bezeichnen, egal ob ernst gemeint oder ironisch? Ist ja auch egal.

Direkt hinter dem Feuerwehrhaus in Ruggell nehmen wir die Brücke und sind schon fast da. Es sind nur ein paar Meter und dann fällt schon der Blick runter von den Schweizer Bergen ins Wasser. Wir sind am Rhein angelangt, der sozusagen als Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz fungiert. Auf einen Schotterweg laufen wir weiter, um einen perfekten Abstieg zu finden. Ja genau, wir oder besser ich will in den Rhein. Und nein, ich bin nicht selbstmordgefährdet.

Eine Planschkuh, die die Felsen hinunter kraxelt

Der Rhein zeigt sich in Liechtenstein nämlich von einer ganz anderen Seite als beispielsweise im deutschen Ruhrgebiet. Er ist flach und rauscht nur an manchen Stellen. Ein Teil des Flussbeckens besteht aus weißen und grauen Steinen. Der perfekte Platz, um den sonnigen Vormittag zu genießen. Doch erst einmal müssen wir eine gute Einstiegsstelle finden. Alex hat bereits ein paar für sich entdeckt, doch leider kann ich nicht so problemlos die großen Felsbrocken überqueren, die uns von dem Wasser trennen.

In Momenten wie diesen wünsche ich mir auch einfach vier Beine zu haben, keine Leine in der Hand, keinen Rucksack auf dem Rücken, weder mit Kamera noch anderem Equipment behangen zu sein. Dann könnte ich sicherlich auch so galant wie Alex von Stein zu Stein hopsen. Die schrägen, teils rutschigen, unebenen und dunklen Brocken könnten mir dann nicht so schnell gefährlich werden. Einfach ein paar Mal „Hühüpf, Hühüpf, Hühüpf“ wie Flip der Grashüpfer und unten wäre ich. Doch nein, ich gleiche eher einem Packesel mit zwei linken Beinen. Auf ebenen Boden komme ich schon nicht selten ins Schwanken und stolpere gar über meine eigenen Füße. Ein wackliger oder schräger Felsbrocken kann da für mich schon große Gefahren bergen. Also muss Alex wieder hinauf springen. Eins, zwei, drei und weiter geht es.

Nach einigen Metern entdecke ich aber eine Felsenformation, die für mich passierbar aussieht und so kraxele ich hinab. Nicht einmal dieses kleine Stück schaffe ich annähernd so galant wie eine Gazelle oder Alex zu bewältigen, auch wenn ich sozusagen fast vierbeinig unterwegs bin. Alex schaut von oben zu und es fehlt eigentlich nur, dass er sagt: „Ist das Dein Ernst? So schwer ist das doch nicht Du olle Planschkuh!“ Um mir das auch noch zu beweisen, springt er flink und leichtpfötig wie immer hinterher.

Sein erster Gang geht direkt ans Wasser, wo er seinen Hals und seine Pfoten erfrischt. Alex ist kein Schwimmer, aber inzwischen springt er doch stets fröhlich in das kalte Nass, sofern es nicht zu tief ist. Hier und da sind aber kleine Becken, die so tief sind wie Pfützen. Wir gehen aber noch weiter über die Steine, die mich an Elba erinnern.

Der Steinteppich ist wie eine Landzunge. Zu unserer Rechten hat sich der Rhein einen Ruheort gesucht. Er stoppt nach ein paar Metern an den Felsen und übergibt den Boden wieder den weißen Steinen. An dieser Stelle ist nur eine kaum wahrnehmbare Strömung zu sehen. Auf der anderen Seite sieht es hingegen ganz anders aus. Da rauscht das Wasser nur so entlang. Es ist etwas gräulich und ich vermag nicht zu sagen, wie tief es geht, und ausprobieren möchte ich es lieber nicht. Denn die Strömung sieht schon recht stark aus. Und auch Alex nimmt lieber die Ruhezone für ein Pfotenbad.

Ein Trauma vom Italienurlaub

Das Wasser ist angenehm kühl. Doch je länger ich meine Füße darin erfrische, umso kälter wird es auch. Dennoch genieße ich es. Ich war schon immer eine Wasserratte. Bereits als Kind liebte ich jede Form von nass: sei es Seen, Flüsse oder das Meer. Kaum etwas war vor mir sicher und sobald es etwas wärmer wurde, sprang ich völlig unbeschwert hinein. Doch leider wurde meine Freude etwas gedämpft bei einem Italienurlaub.

Mit elf Jahren trat ich in der Toskana auf einen Giftfisch, einem sogenannten Petermännchen. Der Name klingt zwar lustig, aber dieses Tier ist alles andere als witzig und schon gar nicht harmlos, denn es ist hochgradig giftig. Mit tierischen Schmerzen, die ein Strandbademeister noch verstärkte, weil er mir den Stachel aus dem Fuß pulte, und über 40 Grad Fieber war der Badespaß erst einmal vorbei. Ich habe es zwar überlebt, aber seitdem habe ich Angst meine Füße auf den Boden von natürlichen Gewässern zu stellen. Doch heute nicht.

Ein “perfekter” Ort

Heute stehe ich ganz unbeschwert im Rhein zwischen der Schweiz und Liechtenstein. Die Schmerzen und die Sorge, dass mich etwas angreifen könnte, sind vergessen. Ich genieße einfach den Augenblick. Das kühle Wasser, die warme Sonne auf meiner Haut. Den leichten Wind, der durch meine Haare weht, und den Ausblick auf die Berge und auf die kleinen Wellenschläge des Rheins. Zwar hat es auch immer etwas Trauriges, aber dennoch ist für mich nichts so entspannend wie ein Blick aufs Wasser. Alex scheint es ähnlich zu gehen. Er hat sich inzwischen auf die Steine gelegt, hat die Augen leicht geschlossen, die Ohren locker aufgestellt und kräuselt zwischendurch die Nase, um die Umgebung samt Gerüche noch intensiver aufzunehmen.

Nichts bringt uns aus der Ruhe – nicht einmal das Brummen der Autos auf der Autobahn, die gleich um die Ecke ist. Könnte es doch immer so sein! Völlig ruhig, gelassen und bewusst den Moment ehren. Einfach sein. Mehr nicht. Doch wenn man das immer hätte, würde man es dann noch so sehr zu schätzen wissen? Vermutlich nicht. Wahrscheinlich sind solche Momente gerade so besonders und magisch, weil man sie eben nicht immer hat!? Und wahrscheinlich würde es mir doch irgendwann auf den Keks gehen und Alex auch. Schließlich brauchen wir zwischendurch unsere Action und müssen Abenteuer bewältigen. Aber inzwischen gehören solche ruhigen Momente genauso zu unserem Leben wie die, bei denen wir viel erleben und die unsere Energie in Anspruch nehmen – mal mehr mal weniger. Doch um das leisten zu können, brauchen wir natürlich auch diese Ruhe, um die Batterien wieder aufzuladen. Einfach mal nichts tun. Einfach nur sein – und dafür ist der Rhein in Liechtenstein ein “perfekter” Ort.

Kennt Ihr auch so einen “perfekten” Ort zum Entspannen? Dann freue ich mich davon in den Kommentaren zu lesen!

2 Comments

  1. Die letzten Tage waren wir auch oft am Rhein. Allerdings viel, viel nördlicher und vor allem leider ohne solch ein tolles Bergpanorama.
    Mein Hund ist keine große Wasserratte, ein bisschen Wellen am Ufer jagen reicht ihm. Von daher muss ich mir keine Sorgen wegen der nicht zu unterschätzenden Strömungen, die es hier gibt, machen.
    Viele Grüße vom Niederrhein
    Carolin

    • Anni Antworten

      Hallo Carolin,
      danke für Deinen Kommentar. Ja weiter oben sieht es um den Rhein etwas anders aus, aber es ist auch sehr schön und ich persönlich finde Wasser ja eigentlich immer super. 🙂 Genießt es so oft Ihr könnt!
      Alex geht auch höchstens bis zum Bauch und Wellen sowie Strömungen sind ihm glücklicherweise nicht so geheuer, sodass ich mir da auch keine großen Sorgen machen muss. Ich würde sagen, in dem Punkt haben wir beide Glück mit unseren Hunden. 🙂
      Viele Grüße inzwischen wieder von der Ostalb
      Anni

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