Eine kleine Schneewanderung mit Hund

Seit Tagen liegt schon Schnee im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Doch das soll uns nicht abhalten. Wir wollen eine schöne Schneetour machen, völlig entspannt und spontan. Also keine vorgegebene Route, Kilometerzahl oder Zeit. Das einzige, was wir uns vorab überlegt haben, ist der Ort. Mit meinem Freund geht es zum Braunenberg – natürlich nicht ohne meinen Hund Alex. 

Wir starten am recht vollen Wanderparkplatz Röthardt. Es sind einige Menschen unterwegs – kein Wunder, denn es ist Feiertag in Baden-Württemberg (Heilige Dreikönige) und das Wetter ist bestens. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Da wir schon einmal ein Stück hier in der Gegend gewandert sind, weiß ich, dass im Wald weniger los ist. Also mache ich mir keine Sorgen um Alex, der Angst vor Fremden hat.

Gleich nachdem wir aus dem Auto steigen, folgt der erste Anstieg Richtung Naturfreundehaus Braunenberg. Ein Schild verrät, dass es wegen Umbauarbeiten geschlossen ist. Das stört uns allerdings nicht, schließlich wollten wir eh nicht gleich zu Beginn eine Pause machen. Alex ist gut drauf und läuft fröhlich mit. Nach den ersten Metern haben wir den Weg auch schon fast für uns allein. Es ist eine schmale Straße, wobei der Asphalt aufgrund des Schnees nicht zu sehen ist.

Nach einigen Metern taucht zu unserer Linken ein schmaler, steiler Pfad auf, der durch die Gebüsche führt. Bei mir ist der Entdeckermodus eingeschaltet und so verlassen wir die Straße. Kurz halte ich noch einmal inne und überlege, ob bei den Witterungsverhältnissen die Entscheidung richtig ist. Ach zur Not kann man ja umdrehen und den Fußspuren nach zu urteilen, sind wir nicht die ersten, die heute hier entlang wandern.

Der Anstieg ist aufgrund des Schnees noch etwas anstrengender. Meine dicken, schwarzen Schneeschuhe sind recht schwer, doch dafür habe ich trockene Füße und einen guten Halt. Zwischendurch blicke ich durch die kahlen Gebüsche auf die Straße, die immer mehr in der Tiefe liegt. Im Frühjahr ist sie von dem Pfad aus wahrscheinlich aufgrund der Blätter nicht mehr zu sehen. Ich bin fasziniert von der Strecke. Dieser Trampelpfad ist umringt von gepuderten Gebüschen und Bäumen. Es ist eine wunderschöne Winterlandschaft und ich ärgere mich, dass ich meine Kamera nicht dabei habe, sondern nur mein Smartphone. Wäre der Schnee nicht, würde es sicherlich sehr trostlos aussehen.

Nur ein paar Vögel sind zu hören

Alex bleibt auf einmal stehen. Super Zeit für ein erstes Foto und eine Verschnaufpause. Nach dem Klick sehe ich erst, was Alex innehalten lässt. Um die Kurve kommt ein Pärchen gelaufen samt Hund. Da der Weg zu schmal ist, gehen wir wieder ein Stück hinunter, um in eine Einbuchtung auszuweichen. So kann das Dreiergespann uns problemlos passieren. Mein Hund Alex scheint das in Ordnung zu finden, schließlich bellt er nicht. Danach geht es weiter bergauf. Bei jedem Schritt knirscht der Schnee unter unseren Füßen.

Zwischendurch muss ich kurz stoppen, um durchzuatmen. Wandern im Schnee ist wirklich keine Leichtigkeit. Meine dicken Schuhe versinken immer wieder ganz schön tief im Boden. Beim Herausziehen befördere ich immer etwas Schnee ein Stück weiter. Die Steigung lässt nach und es taucht ein Geländer auf. Kurz genießen wir die Aussicht auf das Tal, bevor es uns wieder weiter zieht: Alex voran, ich direkt dahinter und mein Freund mal wieder mit ein paar Meter Abstand hinter uns.

Wir kommen auf eine Wiese, von wo aus wir einen Spielplatz und das Naturfreundehaus Braunenberg sehen können. Ich bin froh, dass es heute geschlossen hat, sonst wäre wahrscheinlich die Hölle los. Jetzt ist weit und breit kein Kind in Sicht, dass Alex verängstigen könnte. Ein paar Meter weiter stehen wir wieder im kahlen Wald. Entfernt sind ein paar Vögel zu hören, ansonsten ist es still. Eine Abzweigung lässt uns die Wahl zwischen drei Wegen. Der eine fällt sofort raus, er ist für mein Befinden heute zu steil. Nach kurzem Überlegen geht es rechts entlang.

Wieder laufen wir auf einem schmalen Pfad durch die Bäume und Gebüsche. Ich bin nach wie vor verzaubert von der Natur und versuche so viel wie möglich davon aufzunehmen. Ich liebe es, wenn es geschneit hat und alles in diesem schönen, weißen Glanz erstrahlt. Mein Hund und Freund scheinen auch angetan zu sein. Der Pfad führt uns direkt an das Naturfreundehaus, das 674 Meter über Normalnull liegt. Es hat normalerweise am Wochenende und dienstags nachmittags geöffnet und hält einige Mehrbettzimmer, ein Seminar- und einen großen Aufenthaltsraum bereit. Im Sommer ist es hier bestimmt auch herrlich. Draußen sind lauter Holztische und -bänke auf denen man es sich gemütlich machen kann und die Aussicht genießen. Wir haben wieder einen tollen Blick auf das Tal, auf Röthardt, Aalen und die Kaiserberge.

Schließlich geht es weiter bergauf. Dieses Mal weiter auf der Straße, die vermutlich in einen breiten Schotterweg übergeht. Ganz sicher bin ich mir nicht, da der Schnee es nur erahnen lässt. Hier entlangzugehen ist um einiges leichter, denn in den letzten Tagen muss hier ein Räumfahrzeug entlang gekommen sein. Auf jeden Fall sind Reifenspuren zu sehen und ein Teil der Schneeschicht ist abgetragen und der Rest platt gefahren. Normale Autos dürfen nur werktags bis zu dem Naturfreundehaus hochfahren, ab da ist dann eine Genehmigung erforderlich, wie Förster sie beispielsweise haben oder in diesem Falle auch diejenigen, die etwas mit dem Sendemasten des Südwestrundfunks (SWR) zu schaffen haben.

Früher wurde hier Eisenerz abgebaut

Nach einigen Metern verschwindet an dem Hang zu unserer Linken der Erdboden und Felsen ragen hinauf. Davor, daneben und darauf tummeln sich lauter glitzernde Laubbäume. Der Schnee lässt die sonst kahlen Äste atemberaubend erscheinen und ich ärgere mich wieder, dass ich nicht meine Kamera dabei habe. Na ja, genießen lässt sich ja so auch noch etwas besser. Ab und zu führt ein Trampelpfad links durch die Bäume. Wir bleiben allerdings auf dem breiten Weg, denn dieser ist etwas einfacher zu laufen. Nur vereinzelt treffen wir mal auf andere Wanderer.

Der Braunenberg liegt östlich von dem Aalener Stadtteil Wasseralfingen und gehört zur Schwäbischen Alb. Stellenweise gibt er nicht nur den Blick auf Aalen frei, sondern unter anderem auch auf das Remstal und das Kochertal. Der höchste Punkt des Braunenbergs liegt etwa 685 Meter über Normalnull. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde hier Eisenerz abgebaut. In Wasseralfingen erinnert das Besucherbergwerk Tiefer Stollen sowie ein Wanderpfad an diese Zeit.

An der nächsten Abzweigung gehen wir wieder bergauf, dieses Mal geradeaus. Ein Glück, denn nach einigen Metern tauchen Mountainbiker auf, die Alex kurz in den Panikmodus versetzen. Er springt nach vorne und will schnell fliehen, was die Leine verhindert. Immer wieder dreht er sich nach den „Monstern“ um, doch diese biegen ab und so beruhigt Alex sich schnell wieder. Inzwischen haben sich ein paar Tannen (vielleicht sind es auch Fichten?) zu den Laubbäumen gesellt. Alex beschnuppert sie hier und da mal, aber nicht ohne zwischendurch einen Blick zurückzuwerfen. Nicht, dass die Zweiradmonster doch noch hinterherkommen.

Unser Weg führt uns direkt auf den Sendemasten zu, den ich sonst immer nur aus meinem Wohnzimmerfenster aus einiger Entfernung sehe. Insgesamt ist er an die 140 Meter hoch. Von hier versorgt er Ostwürttemberg und darüber hinaus die Menschen mit den Radio- und dem Fernsehprogramm des SWRs. Nun haben wir den höchsten Punkt erreicht und egal für welche Richtung wir uns entscheiden, es dürfte erst einmal nur bergab gehen. Wir gehen weiter und biegen kurz darauf nach links ab.

Das Räumfahrzeug war definitiv nur dafür zuständig, den Weg zum SWR freizumachen, denn nach dem Sendemasten sacken meine Füße bei fast jedem Schritt wieder in den Schnee ein. Nur vereinzelt lassen sich Fußabdrücke finden. Dafür gesellen sich gleich Hufspuren dazu, denn uns kommen zwei Reiter entgegen. Der Weg ist zwar breit genug, aber ich gehe mit Alex lieber doch etwas weiter in den Wald hinein. Er hat und hatte zwar noch nie Angst vor den Tieren, aber wer weiß, wie die Pferde auf ihn reagieren. Gar nicht, wie sich glücklicherweise kurz darauf zeigt.

Über 2500 Jahre alt

Langsam bin ich etwas erschöpft. Ich weiß nicht wie lange wir schon unterwegs sind – gefühlt eine Ewigkeit. Wir versuchen einen Abstecher zu machen, aber der Pfad endet hinter einer Holzhütte und so gehen wir weiter den Weg entlang, der uns nach einigen Schlenkern zu einem Riesen-Mammutbaum führt. Allerdings ist es noch ein recht junges Exemplar und wirkt somit alles andere als gigantisch. Im Vergleich zu den anderen Bäumen sieht er sogar recht mickrig aus.

Riesen-Mammutbäume sind normalerweise in Kalifornien beheimatet und blühen das ganze Jahr über, sie gehören also zu den immergrünen Bäumen. Das größte Exemplar ist 95 Meter hoch und die ältesten über 2500 Jahre alt. Die rotbraunen Stämmen sollen einen Durchmesser von bis zu 17 Meter erreichen können. Davon ist dieser hier aber ganz weit entfernt.

Es geht weiter bergab und der Wald verdichtet sich. Wenn man hinauf blickt, sieht man zwar noch die Sonne und den blauen Himmel, aber die Äste verdunkeln den Weg. Es ist auch um einiges kühler an dieser Stelle. Die Luft riecht nach feuchtem Holz und lässt meine Nase und Wangen etwas frieren. Wir halten uns links, immer weiter auf dem breiten Weg, der uns auf eine mir bekannte Strecke führt. Auch dieser Abschnitt hat kaum Sonne gesehen. Der Schnee ist hier und da fest gefroren und somit rutschig. Obwohl ich dick eingepackt bin, ist mir jetzt um einiges kälter. Alex scheint glücklicherweise nicht zu frieren, aber so langsam vergeht ihm die Lust an unserer Schneewanderung. Aber zum Glück weiß ich, dass es nicht mehr weit ist.

Zu unserer Rechten geht es nun bergab und zwischen den Ästen kann man wieder etwas in das Tal sehen und auf den gegenüberliegenden Bergabschnitt. Der Weg geht wieder in eine Straße über, die uns an einem alten Haus vorbeiführt. Schon aus einigen Metern Entfernung ist der Hund zu hören, der anschlägt. Aber er läuft nicht frei herum. Die Straße ist zwar geräumt, aber hier und da ist sie mit Eis überzogen. Ich versuche den rutschigen Stellen in Schlangenlinien auszuweichen, weshalb Alex mich etwas schräg von der Seite anguckt.

Ein kurzer Stopp bei den Parzellen muss sein, denn auf der Wiese stehen Schafe: Ich liebe diese Tiere. Mein Freund kann nicht verstehen, warum ich immer wieder völlig hin und weg bin, wenn ich Schafe sehe. Es sieht aber einfach so witzig und süß aus, wenn sie fressen. Dazu dieser ruhige und leicht doofe, aber gleichzeitig auch weise Blick, da sprudeln bei mir die Endorphine.

Gerade haben wir den Abstieg gemeistert, da müssen wir auch schon wieder ein Stück hinauf. Vorbei an weiteren Weiden – leider ohne Tiere. Jetzt wird der Weg etwas voller und wir müssen mehrere Menschen passieren, bevor wir wieder unser Auto erreichen. Wir alle sind erschöpft und froh, dass unsere Tour jetzt zu Ende ist. Nun wage ich auch einen Blick auf mein Smartphone und stelle erstaunt fest, dass wir gerade einmal an die 5,8 Kilometer geschafft haben und dafür etwas über zwei Stunden gebraucht haben. Ich fühle mich allerdings wie nach einem Tagesmarsch, was Schnee nicht alles ausmacht. Schön war es aber trotzdem.

Tipps

  • Da es keine Trinkstellen gibt, sollte auf jeden Fall Wasser im Gepäck sein.
  • Ein guter Orientierungssinn und eine Karte sind auch nicht verkehrt, denn Schilder gibt es nur vereinzelt.
  • Wer Lust auf eine längere Wanderung hat, für den gibt es mehrere Möglichkeiten wie zum Beispiel vom Braunenberg zum Schloss Kapfenburg oder zum Kocherurprung.
  • Bei wärmeren Temperaturen laden immer wieder ein paar Bänke teils samt schöner Aussichten zum Verweilen ein.

 

Geht es Euch auch so, wenn Ihr durch den Schnee wandert? Oder habt Ihr einen Tipp, damit es nicht so anstrengend ist?

2 Comments

  1. Christiane Lange Antworten

    Wunderschöne Fotos, man bekommt große Lust die Strecke nach zu wandern, ist sicher auch in der warmen Jahreszeit schön. Vielen Dank für die vielen guten Tips

    • Anni Antworten

      Liebe Frau Lange,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und das Lob!
      Freut mich sehr, dass Sie Lust bekommen haben, die Strecke zu wandern. Teile davon bin ich auch bereits im Frühjahr gewandert und es ist dann ebenfalls sehr schön, wenn alles blüht. Toll ist auch, dass es zahlreiche Pfade und Wege gibt, so kann man immer etwas Neues entdecken. Meinen Hund freut aber am meisten, dass es nur sehr wenig Trubel gibt. 🙂 Hat man erstmal den Parkplatz und in den warmen Monaten das Naturfreundehaus hinter sich gebracht, trifft man meist nur vereinzelt andere Menschen. Also wer die Natur mag, ist hier sicher gut aufgehoben.
      Falls Sie mal den Braunenberg erwandern, wünsche ich viel Spaß und freue mich auf Ihre Meinung!
      Viele Grüße
      Anni

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