Felsenmeer: Von Umwegen, Dinosauriern und der Natur

Ein beliebtes Ausflugsziel steht auf dem Wanderplan: das Felsenmeer im Wental in Baden-Württemberg. Die Routenvorlage haben wir von dem Projekt Wanderblume. Die Gemeinde Bartholomä und der Schwäbische Albverein haben hierfür insgesamt acht Wanderrouten auf dem Albuch zusammengefasst. Wir haben uns für die Route Nr. 4 entschieden, allerdings in etwas geänderter Form. Denn wir starten nicht in Bartholomä, sondern auf einem Wanderparkplatz kurz nach der Ortsausfahrt.

Los geht es auf einem breiten Schotterweg, vorbei an Wiesen und verschiedenen Feldern. Die Tourenschilder zeigen immer in die Richtung aus der wir kommen, also müssen wir etwas umdenken. Eine Kurve, einmal links, einmal rechts abbiegen und schon sind wir im Wald. Der Weg ist weiterhin breit und theoretisch locker mit einem Auto befahrbar.

Wir folgen weiter der Tour Nr. 4 und kommen kurz nach dem Wald an einem schönen alten Haus vorbei. Ob es wohl bewohnt ist? Sieht irgendwie nicht so aus. Ein Stück weiter geht links ein Weg ab. Daneben ist ein eingezäuntes Feld und dahinter ein Wäldchen. Die Schilder zeigen wieder in unsere Richtung und wir entscheiden uns abzubiegen.

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Während Alex Kumpel mehr mit schnuppern und Ausschau nach Mäuse halten, beschäftigt ist, geht die Nase meines Hundes nur selten an die Halme und Büsche. Nicht ungewöhnlich bei unbekannten Terrain.

Wir laufen weiter. Auf einer Rasenerhöhung zwischen den Bäumen und Gebüschen ragt der erste Felsen hervor. Mit etwas Fantasie erinnert er an einen Dinosaurier. An einer Kreuzung sind Wegweiser und wir sind kurz verwundert, dass das Felsenmeer links abgeht. Dann wären wir ja gleich wieder zurück (die Karte ist inzwischen wieder verstaut). Also doch rechts entlang.

Das Wahrzeichen vom Wental

Die Wege sind inzwischen schmaler als am Anfang, aber locker breit genug für einen Kinderwagen. Hier sind einige Menschen unterwegs, was Alex nicht behagt. Mal wieder eine nervliche Herausforderung für mich, die ich in Ruhe finden die erste schildere. Die Wegränder sind stark bewachsen. Bäume, Gebüsche sowie ein paar Blumen sind zu sehen. Und immer wieder ein hoch gewachsener Felsen aus Dolomit wie das Wentalweible.

Das Wentalweible ist das Wahrzeichen von dem insgesamt 288,9 Hektar großen Gebiet. Ein Kreuz ziert den Gipfel. Früher galt es als Mannesbeweis auf den Felsen zu klettern – heute ist das Besteigen hingegen verboten. Es wirkt urig und ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt. Irgendwie scheint es unwirklich zu sein, warum kann ich nicht genau sagen.

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Ich entdecke eine Art Höhle zu unserer Linken und wage mich dort mit Alex hinauf. Blöderweise ist es nur ein klitzekleiner Pfad, der recht rutschig ist und so fasse ich das erste Mal seit meiner Kindheit in eine Brennnessel. Überraschenderweise habe ich es schmerzhafter in Erinnerung, als es tatsächlich ist. Mein Hund stapft hingegen völlig problemlos hinauf. Oben ist es aber weniger spannend. Damit ich beim Abstieg nicht runter purzele, lasse ich die Leine los. Natürlich ist Alex zehnmal schneller wieder unten als ich. Und da die nächsten Menschen nahen, schaut er mich an, als wolle er sagen: „So jetzt sieh mal endlich zu!“

Nach ein paar Windungen treten wir hinaus auf das Wental. Umringt von Wald erstreckt sich eine riesige flache Wiese, an deren Seiten es etwas steiler zu geht. Einfach idyllisch. Und dann noch diese Ruhe. Nur der leichte Wind, die Vögel und das Rauschen der Bäume sind zu hören.

Ausgewiesenes Naturschutzgebiet

Das Wental ist ein Trockental, das zum Teil zum Landkreis Heidenheim (Gemeinde Steinheim am Albuch) und zum Teil zum Landkreis Ostalbkreis (Gemeinde Essingen) gehört. Das Naturschutzgebiet heißt „Wental mit Seitentälern und Feldinsel Klösterle“. Es gibt hier zahlreiche Felsen, Kalk-Buchenwälder, Wacholderheiden, Magerrasenbereiche, spezifische Tier- sowie Pflanzenarten und einiges mehr zu entdecken.

Wir treffen vermehrt auf Fahrradfahrer, aber glücklicherweise ist genug Platz, sodass Alex einen Sicherheitsabstand halten kann: Fahrräder machen ihm Angst. Zu unserer Rechten taucht ein leerer Spielplatz auf, der von Holztieren umringt ist.

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Nach dem Trampelpfad, der sich über die Wiese schlängelt, geht es wieder auf einen breiteren Schotterweg. Wir machen einen kurzen Stopp auf dem Hochwasserrückhaltebecken und blicken hinunter. Vor etwa 150 Millionen Jahren floss hier noch Wasser entlang.

Nach der Pause folgen wir wieder dem Weg. Es geht bergauf in den Wald – doch die Steigung hält sich in Grenzen. Es ist zwar etwas anstrengend, aber der Weg ist breit. Mein Hund Alex verliert jedoch langsam die Lust am Wandern.

Rechts oder links, das ist hier die Frage

Nachdem wir ein paar Felder passiert haben und wieder in den Wald gebogen sind, stehen wir vor einer Abzweigung ohne Hinweisschilder. Also wird die Karte wieder hervor gekramt. Doch leider hilft sie uns nicht weiter. Die beiden Wegnamensschilder sind nicht eingezeichnet. Da wir den Weg nicht mit der Karte abgeglichen haben, wissen wir nicht so genau, wo wir sind. Einem Pärchen geht es ähnlich. Während das sich für den linken Weg entscheidet, gehen wir den rechten: Hombergsträßle. Nach ein paar Schritten machen wir eine Pause auf einem Baumstamm. Alex legt sich gleich hin, was ungewöhnlich ist. Auf einmal kommt das Pärchen von vorhin zurück, das er bellend empfängt. „Der Weg schien uns zu lang und deshalb sind wir umgekehrt“, sagen sie im Vorbeigehen.

Wir entscheiden uns auch weiter zu gehen. Vorbei an einem riesigen Waldameisenhügel, weiter auf dem Waldweg. Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass wir wieder auf dem Weg landen, den wir gekommen sind, da wir genau parallel dazu laufen. Glücklicherweise kommt eine Kreuzung und wir können links entlang gehen.

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Neben uns sind viele Tannen und zwischendrin lilafarbener Fingerhaut. Auch ein paar Pilze erblicke ich. Alex hat inzwischen die komplette Lust verloren und er wandert nur spärlich weiter. Er nutzt jede Gelegenheit um anzuhalten. Das bin ich nicht gewohnt. Leider hilft es nix, denn wir müssen zurück. Und da er keinen erschöpften Eindruck macht, „ziehe“ ich ihn hinter mir her (nur bildlich gesprochen).

Der Weg geht jetzt recht steil bergab und ich ahne, wo wir landen – kurz vor der Wentalwiese. Hätten wir vorhin wohl doch links abbiegen sollen. Aber egal, erstens ist es eine schöne Strecke und zweitens wollen wir noch mehr vom Felsenmeer sehen. Alex wandert nun wieder freiwilliger mit. Kurz nach der Kreuzung von vorhin mit den Wegweisern, erstrecken sich noch mehr Felsen in die Höhe. Mal hohe, mal kleine, mal rundlich und mal mit einem Loch. Die Natur kann schon sehr beeindruckend sein.

Umwege sind durchaus gut

Nachdem wir eine Schranke passieren, stehen wir auf einem Parkplatz. Daneben liegt das Landhotel Wental. Wir schlagen den Weg links davon ein. Er ist zwar recht breit, sieht aber nicht so aus, als ob er regelmäßig gegangen wird: Das Gras ist recht hochgewachsen. Ich frag mich, ob wir in einer Sackgasse landen, aber laut Karte muss es hier entlang gehen. Nach einer Abbiegung nach rechts und ein paar hundert Metern treten wir wieder aus dem Wald hervor. Links sehe ich den Weg vom Anfang: Wir sind richtig. Also noch etwa einen Kilometer und wir haben es geschafft.

Kurz darauf fällt es mir wie die Schuppen von den Augen: Wären wir an der einen Weggabelung statt rechts links abgebogen, wären wir ohne das Felsenmeer wieder beim Auto gelandet. Also Umwege und Fehlentscheidungen können auch durchaus etwas Gutes haben.

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Tipps

  • Insgesamt sind wir etwa 17 Kilometer gelaufen, die wir aber wahrscheinlich unserer komischen Wegwahl zu verdanken haben. Denn die Route „Wanderblume Nr. 4“ (grüne Markierung) soll 17 Kilometer lang sein (Höhenunterschied 100 Meter und Höhenmeter gesamt 117 Meter) und wir haben davon ja einen Teil ausgelassen. Unsere Strecke ist auf der Karte gelb markiert.
  • Die Tour schätze ich als leicht ein, weil die Wege meist sehr breit sind und sehr gut befestigt sind. Bis auf den kleinen An- und den stärkeren Abstieg, ist die Strecke ziemlich eben.
  • Auch ohne guten Orientierungssinn kann man sich zurechtfinden, da bis auf an der einen Stelle die Touren sehr gut ausgeschildert sind.
  • Am Wochenende ist hier bei gutem Wetter schon streckenweise recht viel los, also wer mehr Ruhe haben möchte, sollte unter der Woche vorbeischauen.
  • Es gibt keine Trinkmöglichkeiten für den Hund, deshalb sollte auf jeden Fall etwas Wasser im Gepäck sein.
  • Das Wental ist ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet und deswegen dürfen Hunde leider nur mit Leine durch das Gebiet laufen.

Alle wichtigen Infos zu dieser Tour habe ich unter Wandertour durchs Felsenmeer und Wental in Baden-Württemberg zusammengefasst.

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