Buddeln am Elsflether Sand

Ein Tag am Meer ist geplant, na ja gut an der Weser und zugegeben kein ganzer Tag, sondern nur ein paar Stunden. Wenn man ganz genau ist, nur etwa eine Stunde, denn das Wetter ist nicht so prickelnd. Trotzdem ist dieser kurze Ausflug zum Elsflether Sand schön, vor allem für Alex.

Mein Freund wollte ja schon lange mit mir zu dieser Weserhalbinsel fahren, aber irgendwie habe ich mich immer etwas geweigert, warum, weiß ich gar nicht so genau. Doch bei diesem Besuch in meiner Heimatstadt Bremen, wollte ich das einmal ändern. Also machen wir uns auf den Weg nach Elsfleth. Wir, das sind mein Freund, natürlich mein Hund Alex und ich.

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Mit dem Auto passieren wir erst einige Bremer Stadtteile bevor wir in das benachbarte Bundesland Niedersachsen eintauchen. Dabei durchfahren wir kleine Dörfer wie Deichhausen, Hekeln oder Ollen, die stets von vielen Feldern voneinander getrennt sind. Ich fühle mich etwas befremdlich, denn durch solch eine flache Gegend zu fahren, bin ich nicht mehr gewohnt. Die Ostalb ist zwar auch nicht die Schweiz, aber trotzdem geht es immer mal wieder etwas bergauf oder bergab. Und auch solch eine Blickfreiheit erlebe ich nur noch selten. Wäre das Wetter nicht typisch norddeutsch, also grauer Himmel und Nieselregen, dann könnte man noch weiter blicken.

Zunächst genieße ich die Landschaft und das Flachland, aber je länger wir fahren, umso langweiliger wird es eigentlich. Die Fahrt kommt mir elendig lang vor, wofür ich die sich kaum ändernde Umgebung verantwortlich mache. Kurz ist die Strecke aber nicht, denn wir brauchen fast eine Stunde bis zu unserem Ziel: Dem Huntesperrwerk, das mit seinen vier großen Toren bei einer Sturmflut das Hinterland schützen soll.

Die Deichbewohner passen auf

Glücklicherweise haben wir genug Zeit eingeplant und kommen mehr als rechtzeitig an. Die Weserhalbinsel Elsflether Sand liegt zwischen der Hunte und der Weser. Mit dem Auto ist das Gebiet nicht zu erreichen. Stattdessen müssen wir am Sperrwerk eine Brücke überqueren, die sich jedoch nur zu jeder vollen Stunde schließt und auch nur, wenn der Schiffsverkehr es zu lässt und jemand an den Schranken wartet. Während unserer Ankunft ragen die beiden 32 Meter langen Klappbrücken noch in den Himmel.

Alex lag während der Fahrt brav auf dem Rücksitz und hat sich kaum gerührt, doch jetzt ist er etwas aufgeregt. Als wenn er spüren würde, dass ihn etwas Tolles erwartet. Als die Brücke schließt, geht er erst nur zögerlich hinüber. Vielleicht liegt es an der komischen Beschaffenheit des Bodens?

Auf der anderen Seite gehen wir einen asphaltierten Weg entlang. Zu unserer Rechten sind Felder und Gebüsche, dahinter die Hunte. Zu unserer Linken ist ein Deich, den ein paar Schafe bewohnen. Während die einen sich nicht für uns interessieren und ruhig weiter grasen, beäugen uns die anderen aufmerksam und schauen, wer wir sind und was wir treiben.

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Alex ist jetzt etwas nervös und interessiert sich nur bedingt für die neuen Gerüche und für die Schafe schon gar nicht. Wir haben noch keine anderen Tiere getroffen, die ihm so dermaßen am A… vorbeigehen wie diese Paarhufer und das obwohl er eigentlich alles jagt, was sich bewegt. Ich hingegen liebe Schafe und freue mich jedes Mal, wenn ich welche beim Fressen beobachten kann.

Nach einigen Metern geht links eine Treppe hinauf, die über den Deich führt. Auf der anderen Seite angelangt, tauchen wir zunächst in einen Miniwald ein. Direkt dahinter erstreckt sich die Natur. Ein Pfad führt uns durch das Schilf zur Weser. Der Naturstrand ist leider recht schmal. Dabei hatte mein Freund extra nach den Gezeiten geschaut. Die Strände variieren nämlich aufgrund von Ebbe und Flut in ihrer Größe. Manche Teile verschwinden sogar komplett, wenn das Wasser wieder da ist.

Rennen lässt alle Sorgen vergessen

Alex ist begeistert. Er springt von einem Halm zum nächsten und von dort kurz in die Weser. Wir laufen das mal schmalere mal breitere Sandstück entlang. Für meinen Hund sind wir jedoch zu langsam. Er will pesen. Also lasse ich kurz die Schleppleine los und Alex gibt Vollgas. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich ihn so sehe. Rennen ist sein Element. Er klappt seine Ohren nach hinten, duckt sich leicht und zieht die Rute etwas ein, um dann in einem Affenzahn fast über den Boden zu fliegen. Wer das sieht, kann eine Verwandtschaft mit irgendeinem Windhund nicht bestreiten.

Nach einigen Metern dreht er in Windeseile um und kommt zu uns zurück gerannt. Ein kurzer Blick in sein Gesicht reicht aus, um zu wissen, wie glücklich er gerade ist. All seine Angst, Angespanntheit und Nervosität ist verschwunden. Seine Augen strahlen, sein Mund ist leicht geöffnet, alle Muskeln sind entspannt. Ich nehme die Leine wieder auf, schließlich weiß ich nicht, ob in dem Gras ein paar Fasane, Kaninchen oder Ähnliches sitzen.

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Kein Schwein ist zu sehen. Die Stille wird nur von einem vorbeifahrenden Frachter kurz gestört, der die Wellen lauter werden lässt. Alex scheint das nicht zu stören, er erkundet alles ganz genau mit seiner Nase. Mein Freund und ich versuchen uns derweil abwechselnd im Sand und durch das Schilf zu schlagen. Schade, dass der Sommer vorbei ist. Hier könnte man einen schönen, ruhigen Badetag verbringen. (Im Nachhinein habe ich erfahren, dass Hunde leider vom 1. April bis zum 30. September tagsüber verboten sind.)

Ein Trüffelhund?

Vor uns liegt ein Sandhügel, der Alex wieder aufdrehen lässt. Erneut lasse ich die Schleppleine los und er saust hinauf. Auf der anderen Seite dreht er freudig rennend seine Runden und springt wieder ein Stück auf den Sandhügel, wo er wie ein Wilder buddelt. Eigentlich ist er überhaupt nicht der Buddeltyp. Bei uns zu Hause macht er das nur ganz selten und nur an einer bestimmten Stelle. Ich glaube, dort sucht er nach Trüffeln oder etwas anderem Essbaren, denn er gräbt und frisst im Wechsel. Ansonsten hat er mit Buddeln nichts am Hut. Doch hier flippt er förmlich aus.

Er schießt den Sand nur so nach hinten mit seinen Pfoten. Setzt wieder zum Sprint an, rennt eine Runde und rammt wieder die Pfoten abwechselnd in den Boden. Es wirkt wie eine Übersprungshandlung, aber von was? Egal, auf jeden Fall scheint er es wahnsinnig zu genießen.

Auch wir genießen: die Ruhe, die Luft und die Aussicht. Leider schmälert der Nieselregen die Freude. Er wird immer stärker und so entscheiden wir uns wieder zurückzukehren, um die nächste Brückenphase nicht zu verpassen. Doch wir kommen wieder, das steht fest.

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Tipps

  • Kurz vor dem Huntesperrwerk in Elsfleth ist ein kleiner Parkplatz, den man kostenlos nutzen kann.
  • Neben dem Parkplatz führt eine kleine Straße zum Yachthafen und dem dazugehörigen Bootshaus. Hier bekommen auch Nichtmitglieder mediterranes Essen, Getränke, Eis sowie Kaffee und Kuchen.
  • Die Brücke schließt immer zur vollen Stunde von morgens um 8 bis abends um 20 Uhr, sofern es der Schiffsverkehr zu lässt.
  • Wer im Sommer in Ruhe baden möchte, ist beim Elsflether Sand genau richtig. Aber Vorsicht hier gibt es keine Badeaufsicht.
  • Hunde sind vom 1. April bis zum 30. September tagsüber am Strand verboten.
  • Da in diesem Gebiet viele Vögel ihre Brutstätten haben, müssen Hunde während der Brut- und Setzzeit (15. März bis 15. Juli) an die Leine.

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