Bellen auf Französisch: unser erster Trip ins Elsass

Mit Hund nach Frankreich fahren, stand schon lange auf meinem Reiseplan. Da ich schon viel Gutes vom Elsass gehört habe und es von unserer Wahlheimat nicht weit entfernt ist, stand das Ziel unseres Kurztrips schnell fest.

Eigentlich wollte ich ja nach Colmar fahren, aber die noch vorhandenen Zimmer waren mir einfach zu teuer. Die Weihnachtsmarktsaison ist scheinbar nicht so gut geeignet für einen Kurztrip in das französische Städtchen und dessen Umgebung. Also suchte ich etwas oberflächlicher mit Elsass und stieß auf das Zimmer in Barr. Ein Blick auf die Karte und ein Check, ob die Gegend wandertauglich ist, und mein Finger drückte den Buchungsknopf.

Das Städtchen hat etwas über 7000 Einwohner und liegt am Ausgang des Kirnecktals. Schon als mein Hund Alex und ich in die Nähe von Barr kommen, bin ich begeistert. Es ist umringt von Weinbergen und wir blicken direkt auf die Vogesen. Das französische Mittelgebirge reicht im Norden bis zur deutschen Grenze, wo es in den Pfälzer Wald übergeht. Im Süden reichen die Vogesen bis Montbéliard. Das Bergmassiv ist für seine Wälder, Pflanzen- und Tiervielfalt sowie Flussläufe bekannt. Zahlreiche Schlösser und Burgen zieren so manche Bergspitze, auch wenn es meist nur noch Ruinen sind.

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Nach der Ankunft schlendern Alex und ich zunächst durch die Weinfelder. Wobei schlendern dem Ganzen nicht wirklich gerecht wird, denn es geht bergauf und der Weg ist anstrengend. Oben angelangt, haben wir einen noch schöneren Blick über das Tal, in dem Barr liegt, die Weinberge und auf die Vogesen. Von Weitem sehe ich auf der Bergspitze das Château du Haut-Andlau, wo uns unsere Wanderung am nächsten Tag hinführen soll.

Auf dem Weg zwischen den Weinstöcken ist einiges los. Kein Wunder es ist Wochenende und gutes Wetter. Wir treffen auch einige Hunde: Die meisten sind jedoch angeleint oder der Besitzer holt sie zu sich, sobald sie uns erblicken. Einen Artgenossen möchte Alex aber aus der Nähe begrüßen und auch dieser scheint interessiert. Schwanzwedelnd schnüffeln sich sich gegenseitig an der Schnauze herum. Doch irgendetwas stimmt nicht und beide fangen an Zähne zu zeigen und zu bellen. Glücklicklicherweise bedarf es nicht viel, um die beiden Streithähne zu trennen und es ist nichts passiert. Die Französin und ich sehen es gelassen und quatschen noch kurz. Auch alle anderen, die wir treffen, wirken freundlich und grüßen uns. Ich mag ja die Franzosen.

Kuscheltiere im Weihnachtsoutfit hängen an den Fenstern

Nach einer kurzen Trinkpause machen wir uns an den Abstieg und tauchen ein in die schmalen Straßen von Barr. Während Alex es nicht so behaglich findet, bin ich hin und weg. Von den schmalen Gassen und den alten Fachwerkhäusern kann ich nicht genug bekommen. Viele der Holzläden und Fensterbänke sind weihnachtlich geschmückt. Nicht einfach nur mit grünen Tannenzweigen und Weihnachtskugeln, sondern auch mit Kuscheltieren im Weihnachtsoutfit. Etwas befremdlich und kitschig, aber auch schön.

Das Städtchen und seine Umgebung sind vor allem für den Weinbau und das Handwerk bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich hier vor allem die Gerberei, wovon heute nur noch ein paar Spuren zurückgeblieben sind. Wein spielt aber immer noch eine große Rolle: Jedes Jahr im Oktober feiert Barr eines der größten Weinfeste im Elsass.

Während wir durch die Straßen gehen, wird mein Hund Alex immer unruhiger, obwohl gar nicht viel Trubel herrscht. Dennoch entscheide ich mich Richtung Auto zu gehen und zu unserem Zimmer zu fahren. Vom Auto aus sehe ich immer mehr Menschen in den Ort strömen. Schon am Parkplatz bei dem Friedhof war kein Platz mehr frei. Bei unserer Ankunft war er hingegen leer. Auch Barr ist scheinbar zur Weihnachtsmarktsaison beliebt.

Nach unserer Wanderung am nächsten Tag fahren Alex und ich in den Nachbarort Mittelbergheim, das zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört, was ich nur zu gut verstehen kann. Es befindet sich auf einem Kalksteinhügel und zählt gerade mal etwas über 600 Einwohner. Gefühlt besteht es fast nur aus einer Straße, die von alten Winzerhäusern und schönen Torbögen gekennzeichnet ist. Farbenfroh ist jedoch etwas anderes, denn so gut wie jedes Haus ist in einem braun roten Ton gehalten und sie wirken alle etwas trist, aber dennoch sind sie schön anzuschauen. Eine Kirche, Brunnen, eine alte Ölmühle und Weinpresse sind auch zu finden. Immer wieder weisen verschnörkelte Schilder an den Hauswänden auf Weinstuben hin. Leider sind sie alle geschlossen genauso wie die Gasthäuser. Da ich Hunger habe, fahren Alex und ich wieder zurück nach Barr.

Alle Restaurants außerhalb des Stadtkerns öffnen leider erst um 19 Uhr und so muss ich meinen Hund noch einmal durch Barr führen. Er ist nicht sehr erfreut, zumal noch mehr auf den Straßen los ist als am Vortag. Doch er nimmt es gelassener. Auch hier öffnen die Restaurants alle erst so gegen 19 Uhr. Ein Döner- und ein Sandwichladen scheinen zunächst die einzigen zu sein, die meinen Hunger stillen könnten. Doch dann erblicke ich Licht in der Winstub Au Tonnelet. Ein Blick auf die bescheidene Karte und hinein. Alex und ich zwängen uns an dem roten Vorhang vorbei und befinden uns in einem kleinen Raum.

Ein bisschen Mittelalter in Obernai

Die Wände und Decken sind teils mit alten Messingtöpfen und verzierten Tellern bedeckt. Die Tische stehen alle recht dicht beieinander. Es wirkt sehr urig und gemütlich. Die Besitzerin kommt freundlich auf uns zu und nach meinen schlechten Französichversuchen wechselt sie ins Deutsche.

Hunde sind willkommen und ich kriege etwas zu essen. Doch leider gibt es die größeren Speisen wie ein Rindersteak auch erst am Abend. Also entscheide ich mich für eine Quiche mit Salatblättern. Alex hat es sich derweil unter dem Tisch gemütlich gemacht und kommt wieder zur Ruhe. Nach dem leckeren Essen und der für meinen Hund erholsamen Pause, kehren wir zurück zu unserem Zimmer.

An unserem letzten Tag im Elsass führt es uns wegen Ölmangel meines Autos nach Obernai. Die kleine Stadt ist an dem Fluss Ehn gelegen, weshalb sie früher auch Oberehnheim hieß. Noch heute lassen sich mittelalterliche Befestigungen und Türme finden. Es ist sehr früh am Morgen und deshalb noch recht wenig los, was Alex freuen dürfte. Wir schlendern durch die schmalen Gassen an den alten Fachwerkhäusern vorbei. Im Stadtkern lassen sich viele Weinstuben, Restaurants und Geschäfte finden. Auch hier sehe ich immer wieder die eigenwillige Weihnachtsdekoration in Form von Teddybären.

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Früher lebten hier die Kelten und Gallorömer. Später gehörte Obernai zu dem Kloster Hohenburg, dass die heilige Odilia gegründet hat. Auf einem Hang steht in großen weißen Buchstaben Clos Saint Odile. Viele sollen glauben, dass die Heilige hier geboren wurde.

Unser Weg zurück führt uns über Kopfsteinpflaster eine kleine Allee entlang. Mal wieder bereue ich, dass ich mich in Sachen Botanik gar nicht auskenne, sonst könnte ich jetzt die komischen Bäume benennen. Sie haben drei bis vier dicke Äste, an deren eine Art Baumkugel zu sehen ist aus der wiederum viele schmale Äste empor sprießen wie die Fingernägel des Struwwelpeters.

Bevor wir wieder in die Heimat fahren, will ich aber noch zu dem Wasserfall in Hohwald. Also fahren wir wieder vorbei an Barr und Mittelbergheim durch den ebenfalls sehr schönen und alten Ort Andlau. Eine kurvige Straße führt uns mitten durch die Vogesen. Allerdings geht es anders als erwartet nicht groß bergauf. Ich folge der Straße durch Hohwald und an dem Campingplatz vorbei, wo es ein Stück bergab geht. Kurz darauf entdecke ich ein Schild auf dem Cascade du Hohwald 800 Meter steht.

Die Anstrengung lohnt sich

Nun geht es weiter auf einem Schotterweg bis zu unserer Rechten ein Parkplatz auftaucht. Alex springt freudig hinaus. Kein Asphalt und keine Menschen. Wir gehen den Fußweg hinter einer Absperrung entlang, immer weiter bergauf. Der Weg ist uneben, teils rutschig und immer wieder mit Felsbrocken bestückt. Ursprünglich wollte ich auch hier eine längere Wanderung zu dem Wasserfall machen, aber mein Auto und das fehlende Öl haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch jetzt bin ich ganz froh, denn der Weg ist recht steil und es ist anstrengend für mich – für meinen Hund Alex natürlich nicht.

Zu unserer Linken fließt die Andlau hinab. Zur unserer Rechten geht es ein Stück hinauf in den Wald. Einige mit Moos bedeckte Steine ragen aus der Sandwand. Alex schnüffelt hier und da mal, zieht aber stets weiter hinauf.

Das Wasserrauschen wird immer lauter und ich entdecke nach einer Kurve den Wasserfall. Einige Meter ragt der Felsen in die Höhe und die Andlau stürzt sich über die Steine hinab. Davor ist eine Holzterrasse mit Bänken und Stühlen. Im Sommer ist es hier bestimmt herrlich. Auch wenn es anstrengend war hierher zu kommen, hat es sich gelohnt, denn der Ort ist nicht nur wunderschön, sondern hat auch etwas märchenhaftes. Alex scheint hingegen unbeeindruckt von dem Wasserspiel. Wenn es etwas wärmer wäre, würde ich noch länger bleiben – doch der Heimweg ruft.

Die drei Tage im Elsass sind definitiv zu wenig gewesen. Deshalb steht fest, dass Alex und ich wiederkommen, um die Gegend noch weiter zu erkunden. Allerdings nur, wenn die Weinstöcke blühen.

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Tipps

  • Alex und ich haben im Chambres d’hôtes et Gîte chez Martine in Barr übernachtet. Das Bed and Breakfast betreibt Martine Huber. Die Französin ist überaus gastfreundlich und spricht Deutsch. In ihrem Haus vermietet sie ein Einzelzimmer und ein Doppelzimmer, deren Bewohner sich das Bad mit ihr teilen. Zusätzlich gibt es wohl noch ein Appartement. Sie selbst hat eine Katze und einen kleinen Hund, den ich allerdings nicht gesehen habe. Wer mit seinem Vierbeiner dort übernachten möchte, sollte vorab nachfragen, da das nicht immer möglich ist (Telefonnummer: 0033 645 66 25 95).
  • Auch wenn man des Französischen nicht so mächtig ist, kommt man als Deutscher in Barr und Umgebung gut zurecht, denn viele Franzosen sprechen Deutsch. Englisch ist hingegen nicht so verbreitet.
  • Wir sind nur auf sehr freundliche Menschen und vor allem Hundebesitzer getroffen. Davon gibt es vor allem in Barr eine Menge, gefühlt hat jeder Zweite einen Hund. Unkontrolliert herumrennende Vierbeiner waren aber nicht dabei.
  • In Sachen Essen gehen hatte ich kein Glück. Zwar bieten auch einige Restaurants Mittagstisch an, aber gegen 13/14 Uhr schließen sie und öffnen dann erst gegen 19 Uhr wieder.
  • In Barr haben viele Restaurants einen Ruhetag und bei manchen ist das sonntags. Außerdem konnte ich keine Speisen unter 15 Euro entdecken (abgesehen von Kleinigkeiten wie meiner Quiche, die 9 Euro kostete).
  • In Barr selbst gibt es noch ein paar Supermärkte und Zapfsäulen, letztere allerdings ohne Kassierer. Die nächste Tankstelle ist etwa 15 bis 20 Minuten entfernt in Obernai.

2 Comments

  1. Hey Anni und Alex,

    hier sprechen bzw. bellen Caro und Yeti (Caro, Tier- und Naturjournalistin und Yeti, passionierter Reisehund, fahren im Camper um die Welt). Auch wir haben Frankreich stets als absolut hundefreundliches Land empfunden.
    Welche Erfahrungen hast Du gemacht, wenn Du Alex mit ins Restaurant nehmen wolltest? Ging das stets problemlos?

    Wir werden eure Abenteuer weiterhin verfolgen.
    Liebe Grüße und ein Wuff!

    • Anni Antworten

      Hallo Ihr beiden,
      wir freuen uns sehr, dass Ihr uns folgt, wir tun das gleiche. 🙂 Ich finde Euren Blog super! Tiere, Natur und Reisen sind ja auch meine Favoriten. Toll ist es auch, dass Ihr im Camper unterwegs seid, dass möchte ich auch irgendwann mit Alex. Mal schauen, wann ich ein paar Euros dafür habe…
      So aber nun zu Deiner Frage. 🙂 Alex war jetzt das erste Mal mit in Frankreich und da gab es wirklich keinerlei Probleme. Das einzige Problem, das wir mit Restaurants hatten, war eines zu finden, das offen ist. Denn irgendwie passten meine Essensgewohnheiten nicht zu den der Franzosen. Aber auf der Suche habe ich kein Verbotsschild entdeckt und auch die Restaurants in die ich rein gegangen bin, weil die Türen offen waren, wegen der Vorbereitungen, waren sehr nett. Als erstes frage ich immer, ob Hunde erlaubt sind und als Antwort folgte sinngemäß “Na klar!”. Bei einem Restaurant hatten wir dann Erfolg, also essenstechnisch. Die Besitzerin war total angetan, auch wenn sie Alex Angst nicht fassen konnte, und wollte ihn am liebsten Knuddeln und mit Keksen vollstopfen, was er ja nun von Fremden nicht mag. Auch die anderen Gäste haben sich gefreut, sobald sie Alex entdeckten und viele wollten ihn ebenfalls streicheln und haben mir Löcher in den Bauch gefragt. Also, meine Erfahrungen sind durchweg positiv. Natürlich weiß ich nicht, ob das überall so ist. Habe mich aber auch viel mit den Berichten anderer Frankreichreisenden beschäftigt und nichts negatives gehört oder gelesen. Sicherlich gibt es das ein oder andere Lokal, das keine Hunde erlaubt, aber ich würde jetzt sagen, dass das die Ausnahme ist.
      Selbst bei meinen Reisen nach Paris ist mir kein Verbotsschild unter die Augen gekommen und die fallen mir auf, selbst wenn ich ohne Hund unterwegs bin.
      Wollt Ihr auch demnächst wieder nach Frankreich fahren?
      Ich hoffe ich konnte Dir weiterhelfen!? Falls Du noch etwas wissen möchtest immer raus damit. 😉
      Ganz liebe Grüße

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